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In meinem Posteingangskorb lag vor Wochen neben dem üblichen Werbe-Spam eine Einladung zu einem Konzert aus der Reihe Baloise session in Basel. Fast hätte ich sie weggeworfen, aber sie war ungewöhnlich aufwendig gestaltet, in einem interessanten Karton, und ich musste hinschauen.

Das Konzert nannte sich “Face-to-face” mit mir gänzlich unbekannten Künstlern, aber backstage lounge und anderen Verlockungen. Mir wäre die Sache nicht weiter aufgefallen, wäre nicht am selben Tag das Angebot eines Event-Veranstalters eingetrudelt, für das selbe Konzert, auch mit backstage, aber 200+ Franken pro Nase.

Also nahm ich die Einladung an und fuhr gestern abend mit Elke nach Basel.

hostessen Im Parkhaus an der Messe war ein Platz für uns reserviert; ein junger Mann wachte darüber, dass nur Berechtigte im 4. Stock einfuhren. Am Hospitality desk erhielten wir die Karten zum Konzert, zum Backstage Village, und das Ausfahrtticket für das Parkhaus. Wir hatten eine separate Garderobe ohne Warteschlange.
Hinter der Bühne teilten zwei hübsche Hostessen USB Sticks aus und begrüssten die Gäste. Hinter ihnen wartete ein üppiges Buffet mit warmen und kalten Köstlichkeiten auf uns: apero Apéro riche. Prosecco, Wein, Bier – für alles war gesorgt.

“Wer hat dich eigentlich zu dieser Sache hier eingeladen?”, wollte Elke wissen, und ehrlich gesagt, weiss ich’s bis jetzt nicht. Die Einladung war unterschrieben vom Präsident, und der CEO der Baloise session, deren Namen ich noch nie gehört hatte. Aber der Abend fing erst an.

Nachdem wir uns gestärkt hatten, gab es eine kleine Führung durch den Technik-Bereich der Stage. Wieviele ferngesteuerte Leuchtkörper, Monitore, Kabel für die verschiednen Funktionen installiert waren, und wie schnell alles nach dem Konzert abgebaut werden konnte.

backstage

Dann begann das Konzert. Wir hatten einen Tisch – beladen mit Getränken und Gläsern, in bester Sichtweite zur Bühne.
Vom Pianisten Roberto Fonseca war ich sofort hingerissen: Sein Temperament, seine Perfektion an den Tasten, sein Jazz waren ein Erlebnis. Er trat auf mit Omara Portuondo, der 84jährigen Legende aus dem Buena Vista Social Club, deren Dynamic und Gesangskönnen total beeindrucken.
Sie wurde einfühlsam unterstützt von Mayra Andrade von den Kapverden.

In der Halbzeit des Konzerts wurden wir wieder in den backstage Bereich eingeladen, wo inzwischen Luxemburgerli, Eiscrème und allerlei Süssigkeiten auf uns warteten.

Die zweite Halbzeit des Konzerts wurde bestritten von Fatoumata Diawara aus Mali, deren afrikanische Klänge nach dem kubanischen Rhythmus der ersten Halbzeit erst erwas gewöhnungsbedürftig waren, aber sie entwickelte sich in ihrer Session zu einer wahren Stimmungskanone und riss das ganze saturierte Publikum mit – weg von den Tischen, aufgestanden, mitgetanzt.

Am Schluss hätte es noch einen Dämmerschoppen im Backstage Bereich gegeben, aber wir nutzten unser Ausfahrtsticket um uns auf den Weg nach Hause zu machen.

Ich dachte noch: Wenn ich jetzt Bundespräsident wäre, könnte dieser unverhoffte und unverdiente Abend das schnelle Ende meiner Karriere bedeuten. Ein Glück, dass ich’s nicht bin.

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