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Im November 2014 lag ein sonderbarer Zettel in meinem Briefkasten: “An die Einwohnerinnen und Einwohner im 50-km-Umkreis der Schweizer Kernkraftwerke”. Jodtabletten-Flyer Absender war “Ihre Geschäftsstelle Kaliumjodid-Versorgung”. Der Text legte dar, dass Jodtabletten bei Atomkraftwerks-Unfällen eh nicht viel bringen. Einen Moment lang dachte ich, dass da jemand in der Behörde seinen privaten subversiven Feldzug gegen die offizielle Schweizer AKW-Politik führt. Die Idee, einfach mal Jodtabletten zu verteilen, fand ich so abwegig, dass ich nicht weiter darüber nachdachte.

Dann wurde bekannt, dass der Flyer eine Fälschung war – von Greenpeace. Die übliche Aufregung ging durch die Presse, und ich verstand immer noch nicht den Witz der Sache. Bis ein paar Tage später tatsächlich eine Schachtel mit Jodtabletten im Briefkasten lag. Kaliumiodid Packung.

Die spinnen, die Schweizer. Einerseits halten sie unbelehrbar fest an ihren Atomkraftwerken, andererseits scheinen sie der Sache doch nicht zu trauen. Über die Verteilung dieser Tabletten – ohne konkreten Anlass – kann ich nur den Kopf schütteln. Ohne den vorausgegangenen Greenpeace Flyer hätte ich die Packung aus der eidgenössischen Armeeapotheke wahrscheinlich sofort weggeschmissen, weil ich natürlich nicht den Beipackzettel gelesen hätte. Beipackzettel
Dabei hat diese Tablettenverteilung enorme Ausmasse. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schreibt: “Seit Ende Oktober haben 4,9 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner eine persönlich adressierte Packung Jodtabletten erhalten.” – In Deutschland kostet so eine Packung 5€. Was ein teurer Unfug! Und nehmen wir mal an, in zwei-drei Jahren fliegt uns tatsächlich eins der Dinger um die Ohren – werde ich mich dann noch daran erinnern, wo ich damals die blöde Tablettenpackung hingesteckt habe? Abschalten wäre einfacher.

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