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Viel wurde diskutiert über die Frage, ob nach den Mordanschlägen von Paris Karikaturen von und über Muslime, den Propheten Mohammed und religiöse Themen überhaupt in Ordnung sind.

Was spricht denn dagegen?

Es hilft, zu unterscheiden zwischen zwei Grundproblemen.

1. Das Bilderverbot.

Es gibt im Islam ein Bilderverbot (gut beschrieben in Wikipedia), das sich nicht auf den Koran sondern auf spätere Traditionsliteratur beruft. Bis ins 8. Jahrhundert gab es kein solches Bilderverbot. Viele mulimische Autoritäten sind aber Verfechter dieses Verbots.

Dieses Bilderverbot ist ein religiöses Gebot, vergleichbar der Beschneidung von Knaben (im Islam und im Judentum), der Schächtung, religiös vorgeschriebener Nahrung (koscher, Halal), Zölibat (für katholische Priester), usw. Solche religiösen Gebote binden jeweils nur die gläubigen Anhänger der entsprechenden Religion. Sie sind weder zivilrechtlich noch strafrechtlich relevant. Ein Priester, der heiratet, kann kirchenrechtlich belangt werden, aber weder vor einem Zivil- noch einem Strafgericht ist das ein Thema. Jedenfalls dort, wo sich der Staat nicht als “Gottesstaat” definiert.

Wenn nun eine Religionsgemeinschaft ihre religiösen Gebote Menschen ausserhalb ihrer eigenen Glaubensgemeinschaft aufzwingen will, dann ist das ein Übergriff, der von freiheitlichen Gesellschaften zurückzuweisen ist. Sowenig Nicht-Muslime gezwungen werden dürfen, den Ramadan einzuhalten, Nicht-Christen genötigt werden dürfen, Weihnachten zu feiern. Wenn sich muslimische Eiferer beleidigt fühlen, weil Nicht-Muslime eben nicht Muslime sind und nicht nach ihren Geboten leben, dann ist das ihr Problem. In der multikulturellen Welt von heute (und morgen) ist dafür kein Platz. Die freiheitlichen Gesellschaften dürfen solchem Ansinnen nicht nachgeben. Mohammed-Karikaturen sind erlaubt!

2. Herabsetzung und Verächtlichmachung

stuermer Satire darf nicht alles! Wenn mit Karikaturen Hass zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Glaubens, unterschiedlicher politischer, sexueller Angehörigkeit oder Ausrichtung geschürt wird, dann handelt es sich um strafrechtlich relevante Volksverhetzung. Wir hatten das in Deutschland.

Es ist legitim, Strafanzeige zu erstatten, wenn der Verdacht besteht, dass eine entsprechende Zeichnung (oder ein Artikel) Volksverhetzung ist. Das ist gerichtlich zu klären und nicht immer eine so klare Sache wie im hier gezeigten Fall.

In Europa sind wir da sicher toleranter als in anderen Teilen der Welt, und solche Grenzen verschieben sich auch. Insbesondere erlauben wir der Satire sehr weite Grenzen, was die Herabsetzung von Politikern und Figuren des öffentlichen Lebens angeht. Aber auch dort gibt es Grenzen – etwa die Zeichnung eines verhassten Politikers, die als Aufforderung zu Gewalt angesehen werden kann, wird bei uns nicht toleriert.

Zusammenfassend: Darstellungen des Propheten Mohammed – auch als Karikatur – sind für nicht-Muslime erlaubt und legitim, solange sie nicht Hass gegen Muslime und ihren Glauben schüren. Hier ist der Al-Ashar-Institution zuzustimmen, die die Karikaturen zwar nicht gut heisst, aber die Muslime auffordert, die “Charlie Hebdo”-Veröffentlichung zu “ignorieren”. Der Prophet sei “zu erhaben”, um durch diese “hasserfüllte Frivolität Schaden zu erleiden”. So viel Toleranz muss die freie Gesellschaft von ihren muslimischen Mitbürgern einfordern, will sie nicht Schaden erleiden.

Carlie Hebdo Cover

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