Schlagwörter
Kommunale Wohnsiedlung Hornbach, Musikschule Konservatorium Zürich, Velo-Initiative, Voksabstimmung, Zürich im Landesmuseum
Der nächste Abstimmungssonntag rückt heran. Für die Stadtzürcher (zu denen ich mich stolz zähle) gibt es vier Vorlagen. Wer noch nicht abgestimmt hat und an meinen unmassgeblichen Meinungen interessiert ist, sei herzlich eingeladen, weiterzulesen.
(Diesmal muss man ein Dutzend Fragen beantworten. Deshalb sind meine Kommentare aufgeteilt: Die kantonalen Vorlagen habe ich hier kommentiert, die nationalen Vorlagen hier)
In drei Räumen wollen Stadtrat und Gemeinderat Zürich im neugestalteten Landesmuseum präsentieren. Das würde etwas Geld kosten und einen zentralen Ort schaffen, an dem vor allem Besucher etwas über die Geschichte der Stadt lernen können.
Wo, so fragen sie sich, kann man sonst beispielsweise etwas über die Seegfrörni 1962/63 lernen? Meine Antwort: Im Internet. Ganz ohne neues Museum habe ich über Google in 3 Sekunden die „20 Minuten“ von 2013 gefunden, wo viel darüber drinsteht.
Das ist mein Hauptproblem mit dem Vorschlag: So, wie der Bau des Landesmuseums ein Fake aus Beton ist, der Geschiche simuliert, wird das neue Zürich-Museum ein Fake sein, in dem – soweit ich das verstanden habe – Multimedia Installationen, Kopien von Bildern, Schautafeln gezeigt werden: ein virtuelles Museum. Der einzige Grund in meinen Augen, heutzutage neue Museumsräume bereitzustellen, wäre, wenn es reale wichtige Objekte gäbe – Gemälde, Kunst- oder andere Objekte, die anders dem Publikum nicht präsentiert werden können. Für eine rein virtuelle Darstellung wäre ein schön gestalteter professioneller Internet-Autritt grad so gut, flexibler, leichter erreichbar. Also mit GLP und gegen die Grünen: nein
Viel realer als das schöne Foto von den Velos auf dem gefrorenen Zürichsee ist die tägliche Misere auf den zerstückelten Velorouten von heute. Der Tagesanzeiger zeigte in einer nette Reportage auf, wie frustrierend das ist. Hier ist dringender Handlungsbedarf. Eine Volksinitiative der „Jungen Grünen“ möchte 200 Millionen im Haushalt für den Ausbau der Velorouten festschreiben, verteilt über 20 Jahre. Wie üblich gibt’s hier wieder Probleme damit, dass einige Routen in der Kompetenz der Stadt liegen, andere in der des Kantons, deshalb fürchten einige, dass mit dieser Initiative städtisches Geld für Dinge ausgegeben wird, für die eigentlich der Kanton zuständig ist. Weil aber alle zugeben müssen, dass die Situation der Velorouten in Zürich unhaltbar ist, haben Stadtrat und Gemeinderat einen Gegenvorschlag ausgearbeitet, der das Anliegen in verdünnter Form aufgreift: Weniger Geld für Radwege (120 statt 200 Mio), dafür noch weniger Geld für Radwege und stattdessen auch Investition in Abstellplätze.
Der Gegenvorschlag ist besser als nichts, aber das Problem ist nicht das Fehlen von Abstellplätzen, sondern die Nicht-durchgängigkeit der Radwege. Solange das nicht gelöst ist, gibt es für viele Velos einen bevorzugten Abstellplatz: Bei mir zuhause. Deshalb: Ja für die Initiative, ja zum Gegenvorschlag und im Zweifel für das Erstere.
Im Seefeld soll in guter Lage ein Ensemble von 122 städtischen Wohnungen gebaut werden, um dort auch weniger Betuchte Familien anzusiedeln. In den Stimmunterlagen gibt es eine ausführliche Beschreibung des Projekts. Mir erscheint es sinnvoll, und die Polemik von SVP, FDP und Gewerbeverband dagegen geht an mit vorbei. Richtig unverschämt finde ich die Begründung: „Auch die Gemeinderatsminderhait befürwortet eindeutig eine Unterstützung von Personen und Familien, welche sich auf dem freien Wohnungsmarkt aus eigener kraft keine eigene Wohnung mieten können. Die Gemeinderatsminderheit findet aber, dass Wohnungen an zentraler, begehrter Lage mit Seesicht nicht einer direkten oder indirekten Subvention bedürfen.“ – Mit anderen Worten: Rattenlöcher an der Peripherie für sozial Schwache! Da fällt mir nur noch eins ein: Ja.
Und zuletzt bin ich auch für die Anschaffung eines repräsentativen Gebäudes für das Konservatorium Zürich in der Florhofgasse 6. Auch das halte ich für eine gute Investition in die Zukunft der Stadt, die auf diese Weise etwas dafür tut, kulturell attaktiv und erstklassig zu sein. Auch wenn das Haus echt teuer ist (und bereits jetzt klar ist, dass es demnächst aufwendig restauriert werden muss). Aber was ist in Zürich nicht echt teuer? Das passt. Ja.
Der schweizer Abstimm-Dschungel ist mir immer noch ein Rätsel.
Eine Initiative (A) fordert 200 Millionen für Radwege.
Um dem Wind aus den Segeln zu nehmen, wird zeitgleich ein Gegenvorschlag (B) zur Abstimmung gestellt, der besagt: 120 Millionen wär doch auch schön.
Jetzt können die Stimmbürger abstimmen: Sind sie für oder gegen A, für oder gegen B, und – falls beide angenommen werden – welche von beiden soll den Vorzug haben, A oder B?
Nach meiner einfachen Logik gäbe es drei rationale Entscheidungen: 1. Ich bin für die grosse Lösung (A); falls die scheitert, wenigstens für die kleine (B); aber wenn beide angenommen werden, die grosse (A).
2. Ich bin für die kleine Lösung (gegen A und für B), wenn aber beide angenommen werden, will ich B.
3. Ich bin total dagegen, stimme gegen A und B, fals aber beide angenommen werden, dann B als kleineres Übel.
Aber nun kommen die Ergebnisse: 50.9% stimmen für A wollen also die 200 Mio investieren. Einer Minderheit von 49.1% ist das zu teuer. Deshalb ist die Mehrheit für B (die nur 120 Mio kostet) noch grösser.
Das bedeutet, beide, A und B erhalten eine Mehrheit, und deshalb ist die Stichfrage entscheidend: A oder B. Und hier entscheiden sich 56% für B.
Potzblitz. 50.9% stimmen für die weitergehende Lösung, aber im Zweifel doch lieber nicht. Das verstehe wer will!
PS. Alle anderen Vorschläge wurden ebenfalls angenommen. Für die Seefeld-Bebauung freut es mich sehr; die Zusage zur Zürich-Ausstellung im Landesmuseum hätte man sich sparen können, aber jetzt bin ich gespannt, was sie daraus machen. Ich geh sicher irgendwann mal hin.