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Der digitale Wandel ist in der Welt der Politik angekommen. Erst spät, aber dafür quer über Parteigrenzen hinweg. Richtig? … Vielleicht noch nicht so ganz.

Sichtbare Vorreiter des digitalen Wandels sind einige Unternehmen an der Spitze der Entwicklung, verkörpert durch Google, Facebook, Amazon. In Wahrheit geht die Digitalisierung bereits viel weiter; Industrie 4.0 ist in aller Munde. Aber weil dieses Thema mit Silicon Valley identifiziert wird, schleicht sich – vor allem in Europa – bei aller digitaler Euphorie auch immer ein Schuss antiamerikanisches Ressentiment ein. Brauchen wir das alles wirklich? Wie können wir uns davon abgrenzen?

Ein gutes Beispiel für diese fast schon schizophrene Haltung – wir wollen ganz vorne sein, aber gleichzeitig Distanz halten – sind die ökologisch, liberal, fortschrittlich gesinnten Menschen ausserhalb der engeren IT-Welt, die ihre Berührungsscheu mit den Datenkraken der digitalen Welt nur kurz beiseiteschieben, um Katzenbilder oder emotionale Kommentare zum Zeitgeschehen auf Facebook zu posten, dann aber wieder lang und breit ihrer Abscheu gegen Google, NSA und Konsorten Ausdruck geben.

Ich denke, das wird vorübergehen. Die digitale Welt “is here to stay“. Und es wäre nicht schlecht, zu lernen, sich darin zu bewegen.

So bin ich auf die Idee gekommen, eine Plattform zur Verfügung zu stellen für Menschen, die – ausser mit den besagten Katzenbildern – wenig persönliche Erfahrung als Akteure in der digitalen Welt gemacht haben. Sie sollen in einer möglichst natürlichen Umgebung mit anderen Menschen kommunizieren, diskutieren, beraten können.

Ein paar Grundgedanken:

  • Man muss nichts installieren. Es reicht, eine URL anzuklicken.
  • Man kann sich gegenseitig sehen und hören, wobei man vor allem denjenigen bzw diejenigen sieht und hört, die gerade sprechen.
  • Man kann sich zu Wort melden, und dann vom Diskussionsleiter das Wort erhalten.
  • Die Diskussion kann – wenn alle einverstanden sind – aufgezeichnet werden, damit keins der goldenen Worte verloren geht.

Aber gibt es das nicht bereits alles?

Doch, ja. Ich habe in den letzten zwanzig Jahren in meiner beruflichen Tätigkeit etliche Systeme kennengelernt, die wir im betrieblichen Umfeld für virtuelle Meetings verwendet haben. Und all diese gingen von dem Szenario aus, dass ein Teilnehmer etwas präsentiert, und die anderen zusehen oder zuhören. Meist ging es darum, in einer festen Tagesordnung Folien zu präsentieren, oder Bildschirm-Demos zu zeigen. Die persönliche Interaktion, das unstrukturierte Gespräch, spielte eine untergeordnete Rolle. Meistens gab es gar keine Videoübertragung, oder allenfalls die des Referenten.

Es gibt eine Ausnahme. “Video Presence”. Eine coole Sache. 4-6 an einem Standort arbeitende Teilnehmer betreten einen eigens dafür eingerichteten Raum, in dem sich ein schöner runder Tisch befindet. In Wahrheit ist es nur ein halber runder Tisch; die gegenüberliegende Seite wird durch ein schmales Band nur angedeutet. Dort an der Wand befinden sich auch riesige Monitore. Wenn die Konferenzschaltung beginnt, sieht man dort die Teilnehmer aus ein oder mehreren anderen Räumen sitzen, irgendwo auf der Welt, und es wirkt nun wie ein richtiger runder Tisch. Sehr realistisch.

Interessant ist, dass alle Mitarbeiter – auch solche, die für gewöhnlich grosse Scheu haben, ihre Webcam einzuschalten – diese Tele-Presence Meetings lieben. Man hat wirklich – fast – das Gefühl im selben Raum zu sitzen.

Der Aufwand für eine solche Installation ist allerdings auch immens. Die Kameras sind fest installiert und genau so ausgerichtet, dass der Schein der Anwesenheit erzeugt wird. Deshalb gibt es selbst in meiner grossen Firma nur wenige solche Räume, und die sind oft ausgebucht. Für normal Sterbliche ausserhalb des Zusammenhangs grosser Konzerne ist diese Form der virtuellen Präsenz einfach unerschwinglich.

Aber mir zeigt dieses Beispiel, was geboten sein muss, damit Menschen virtuelle Zusammenkünfte angstfrei nutzen können. Und ich habe versucht, in den Piloten von Konferenz 4.0 einige dieser Erkenntnisse einfliessen zu lassen.

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Was mit einer solchen Technik erreicht werden kann, ist, dass man sich mit geringem Aufwand mit Leuten, die man kennt, für einen kurzen, aber intensiven Austausch zusammenschliessen und beratschlagen kann. Physische Treffen erzwingen – wegen des hohen Reiseaufwands – dass man dann einen ganzen Tag opfert, obwohl man eigentlich nur eine halbe Stunde intensives Gespräch braucht. Reine Telefonkonferenzen sind ab 4 Teilnehmern eine anstrengende, unübersichtliche und oft unproduktive Veranstaltung.

Im Moment möchte ich diese Technik erst mal selbst verwenden, um Erfahrungen zu sammeln. Auch scheint mir, dass – nicht der Teilnehmer, sondern – der Moderator den Umgang mit diesem Medium auch lernen muss. (Das ist einer der Erfahrungspunkte: Im Zusammenhang der Unternehmen wird es allgemein nicht als etwas angesehen, was gelernt sein will, weshalb die Veranstalter von virtuellen Konferenzen oft einen wirklich schlechten Job machen.)

Wenn jemand die Erfahrung einer solchen virtuellen Konferenz machen will, darf sie oder er sich gerne melden.

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