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Ansichten aus Zürich

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Ansichten aus Zürich

Archiv des Autors: hajovonkracht

Schweizer Realsatire um Jodtabletten

11 Sonntag Jan 2015

Posted by hajovonkracht in deutsch

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akw, greenpeace, jodtabletten

Im November 2014 lag ein sonderbarer Zettel in meinem Briefkasten: „An die Einwohnerinnen und Einwohner im 50-km-Umkreis der Schweizer Kernkraftwerke“. Jodtabletten-Flyer Absender war „Ihre Geschäftsstelle Kaliumjodid-Versorgung“. Der Text legte dar, dass Jodtabletten bei Atomkraftwerks-Unfällen eh nicht viel bringen. Einen Moment lang dachte ich, dass da jemand in der Behörde seinen privaten subversiven Feldzug gegen die offizielle Schweizer AKW-Politik führt. Die Idee, einfach mal Jodtabletten zu verteilen, fand ich so abwegig, dass ich nicht weiter darüber nachdachte.

Dann wurde bekannt, dass der Flyer eine Fälschung war – von Greenpeace. Die übliche Aufregung ging durch die Presse, und ich verstand immer noch nicht den Witz der Sache. Bis ein paar Tage später tatsächlich eine Schachtel mit Jodtabletten im Briefkasten lag. Kaliumiodid Packung.

Die spinnen, die Schweizer. Einerseits halten sie unbelehrbar fest an ihren Atomkraftwerken, andererseits scheinen sie der Sache doch nicht zu trauen. Über die Verteilung dieser Tabletten – ohne konkreten Anlass – kann ich nur den Kopf schütteln. Ohne den vorausgegangenen Greenpeace Flyer hätte ich die Packung aus der eidgenössischen Armeeapotheke wahrscheinlich sofort weggeschmissen, weil ich natürlich nicht den Beipackzettel gelesen hätte. Beipackzettel
Dabei hat diese Tablettenverteilung enorme Ausmasse. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) schreibt: „Seit Ende Oktober haben 4,9 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner eine persönlich adressierte Packung Jodtabletten erhalten.“ – In Deutschland kostet so eine Packung 5€. Was ein teurer Unfug! Und nehmen wir mal an, in zwei-drei Jahren fliegt uns tatsächlich eins der Dinger um die Ohren – werde ich mich dann noch daran erinnern, wo ich damals die blöde Tablettenpackung hingesteckt habe? Abschalten wäre einfacher.

Pauschalbesteuerung, Ecopop und tonnenweise Gold

16 Sonntag Nov 2014

Posted by hajovonkracht in deutsch

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Ecopop, Gold-Initiative, Pauschalbesteuerung, Stadelhofen

Kaum sind zwei Monate vergangen, steht bereits der nächste Abstimmungs-Sonntag bevor. Einige Entscheidungen sind einfach, andere interessant.

Am dümmsten ist die „Gold-Initiative„. Einige Individuen aus dem Umfeld der SVP wollen die Schweizer Goldreserven – „Resultat des Fleisses unserer Elterngeneration“ – in der Schweiz endlagern und unverkäuflich machen. Statt das Gold währungspolitisch einzusetzen, müsste die Schweizer Nationalbank es bunkern und vermehren. Schon mal was von König Midas gehört, dem auch das Butterbrot zu Gold wurde?

Nicht nur dumm, sondern auch gefährlich und richtig Scheisse ist die Ecopop Initiative. Interessant daran: Alle Parteien (selbst Blocher) sind dagegen; alle Umfragen sagen eine Niederlage der Initiative voraus; und alle haben Riesen Bammel, dass das Volk sie vielleicht doch annimmt. Deshalb wird von allen Seiten derart massiv dagegen getrommelt, dass der eine und die andere beginnen mögen, sich ihr Teil zu denken. Hoffentlich wird sie trotzdem versenkt.

Interessanter ist die Initiative zur Abschaffung der Pauschalbesteuerung. Etliche Kantone in der Schweiz locken gezielt reiche Ausländer an, ihren Wohnsitz bei ihnen zu nehmen, und im Gegenzug – statt nach Einkommen und Vermögen – pauschal nach ihren Lebenshaltungskosten besteuert zu werden, was bei sehr reichen Personen nur einen Bruchteil der sonst fälligen Steuern ausmacht. Die Initiative wurde lanciert von der (linken) AL und hat schon deshalb schlechte Karten. Der Nationalrat lehnt sie mit 135:62 Stimmen ab. Interessanterweise lehnt auch die Grün-Liberale Partei GLP die Initiative ab, denn die Pauschalbesteuerung „ermöglicht überhaupt erst, dass besonders mobile Personen, welche in der Schweiz keine Arbeitstätigkeit ausüben, einen wesentlichen Beitrag an die Staatsfinanzen leisten. Zudem sollen alle Kantone weiterhin eigenständig darüber entscheiden können, ob sie dieses Instrument anbieten wollen oder nicht“ (Medienmitteilung vom 31.10.)

Die Sache hat drei Aspekte:

  • Steuergerechtigkeit – soll der Grundsatz, dass jede/r nach Einkommen und Vermögen besteuert wird, für alle gelten, oder manchmal nicht?
  • Internationaler Steuerwettbewerb – sollen Kantone offensiv Personen dazu bewegen, ihren Wohnsitz (tatsächlich oder scheinbar) zu verlegen, um ihrer Steuerpflicht andernorts zu entgehen?
  • Subsidiarität – Soll so eine Frage auf nationaler Ebene entschieden werden, oder soll das den Kantonen überlassen bleiben?

Ich denke, Schlaumeiereien, die anderswo grossen Schaden anrichten, um für sich selbst einen kleinen Nutzen zu erzielen, haben der Schweiz in den letzten Jahren nicht gut getan. Wenn es nur einen einzigen Spieler gibt, der falsch spielt, ruiniert er das ganze Spiel, und deshalb – obwohl Subsidiarität im Allgemeinen ein gutes Prinzip ist – kann man eine solche Entscheidung nicht den Kantonen überlassen. In dieser Frage gehe ich mit der AL.

Dann gibt es mal wieder einige lokale und kantonale Abstimmungen:

  • Überführung der Zürcher Ausnüchterungs- und Betreuungsstelle ZAB vom Pilot- in den definitiven Betrieb (ja)
  • Zuschuss des Kantons zu einer neuen Tramverbindung über die Hardbrücke (ja, gute Sache, wenngleich sie das Risiko mit sich bringt, dass meine eigene Tramverbindung zum Hauptbahnhof später darunter leidet; aber das wird hoffentlich eine eigene Abstimmung)
  • Limitierung der Klassengrössen in der Volksschule auf maximal 20 (nein; gute Absicht, schlechte, weil starre Festlegung; den „Gegenvorschlag“ verstehe ich nicht ganz, da soll ein Pool von „Springern“ ausgebaut werden, um Spitzen zu begegnen; scheint mir das Problem nicht wirklich zu lösen wenn’s denn eins gibt. Aber besser als die eigentliche Initiative)
  • Der Bahnhof Stadelhofen soll ausgebaut werden. Das wollen alle, auch der Bund, der das auch zu finanzieren hätte. Die Initianten trauen dem Bund aber nicht, der seine Prioritäten vielleicht noch mal verschieben könnte, und deshalb wollen sie, dass der Kanton in Vorleistung geht und das Geld schon mal vorschiesst. So ganz genau kann ich’s nicht beurteilen, aber wenn ich der Bund wäre, und der Kanton hätte schon vorbezahlt, dann würde ich doppelt darüber nachdenken, ob ich mein Geld nicht in andere, auch wichtige Projekte stecken würde. (also: nein)

So, diesmal mach ich’s per Briefwahl und folge mit Spannung, ob ich wie das letzte Mal richtig getippt habe.

Eine Einladung

11 Dienstag Nov 2014

Posted by hajovonkracht in deutsch

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Balioise Session, Fatoumata Diawara, Mayra Andrade, Omara Portuondo, Roberto Fonseca

In meinem Posteingangskorb lag vor Wochen neben dem üblichen Werbe-Spam eine Einladung zu einem Konzert aus der Reihe Baloise session in Basel. Fast hätte ich sie weggeworfen, aber sie war ungewöhnlich aufwendig gestaltet, in einem interessanten Karton, und ich musste hinschauen.

Das Konzert nannte sich „Face-to-face“ mit mir gänzlich unbekannten Künstlern, aber backstage lounge und anderen Verlockungen. Mir wäre die Sache nicht weiter aufgefallen, wäre nicht am selben Tag das Angebot eines Event-Veranstalters eingetrudelt, für das selbe Konzert, auch mit backstage, aber 200+ Franken pro Nase.

Also nahm ich die Einladung an und fuhr gestern abend mit Elke nach Basel.

hostessen Im Parkhaus an der Messe war ein Platz für uns reserviert; ein junger Mann wachte darüber, dass nur Berechtigte im 4. Stock einfuhren. Am Hospitality desk erhielten wir die Karten zum Konzert, zum Backstage Village, und das Ausfahrtticket für das Parkhaus. Wir hatten eine separate Garderobe ohne Warteschlange.
Hinter der Bühne teilten zwei hübsche Hostessen USB Sticks aus und begrüssten die Gäste. Hinter ihnen wartete ein üppiges Buffet mit warmen und kalten Köstlichkeiten auf uns: apero Apéro riche. Prosecco, Wein, Bier – für alles war gesorgt.

„Wer hat dich eigentlich zu dieser Sache hier eingeladen?“, wollte Elke wissen, und ehrlich gesagt, weiss ich’s bis jetzt nicht. Die Einladung war unterschrieben vom Präsident, und der CEO der Baloise session, deren Namen ich noch nie gehört hatte. Aber der Abend fing erst an.

Nachdem wir uns gestärkt hatten, gab es eine kleine Führung durch den Technik-Bereich der Stage. Wieviele ferngesteuerte Leuchtkörper, Monitore, Kabel für die verschiednen Funktionen installiert waren, und wie schnell alles nach dem Konzert abgebaut werden konnte.

backstage

Dann begann das Konzert. Wir hatten einen Tisch – beladen mit Getränken und Gläsern, in bester Sichtweite zur Bühne.
Vom Pianisten Roberto Fonseca war ich sofort hingerissen: Sein Temperament, seine Perfektion an den Tasten, sein Jazz waren ein Erlebnis. Er trat auf mit Omara Portuondo, der 84jährigen Legende aus dem Buena Vista Social Club, deren Dynamic und Gesangskönnen total beeindrucken.
Sie wurde einfühlsam unterstützt von Mayra Andrade von den Kapverden.

In der Halbzeit des Konzerts wurden wir wieder in den backstage Bereich eingeladen, wo inzwischen Luxemburgerli, Eiscrème und allerlei Süssigkeiten auf uns warteten.

Die zweite Halbzeit des Konzerts wurde bestritten von Fatoumata Diawara aus Mali, deren afrikanische Klänge nach dem kubanischen Rhythmus der ersten Halbzeit erst erwas gewöhnungsbedürftig waren, aber sie entwickelte sich in ihrer Session zu einer wahren Stimmungskanone und riss das ganze saturierte Publikum mit – weg von den Tischen, aufgestanden, mitgetanzt.

Am Schluss hätte es noch einen Dämmerschoppen im Backstage Bereich gegeben, aber wir nutzten unser Ausfahrtsticket um uns auf den Weg nach Hause zu machen.

Ich dachte noch: Wenn ich jetzt Bundespräsident wäre, könnte dieser unverhoffte und unverdiente Abend das schnelle Ende meiner Karriere bedeuten. Ein Glück, dass ich’s nicht bin.

Thomas Meyers „Rechnung über meine Dukaten“

08 Samstag Nov 2014

Posted by hajovonkracht in deutsch

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Buchbesprechung, Rechnung über meine Dukaten, Thomas Meyer


Thomas Meyers „Schickse“ hatte ich mit Genuss gelesen – seine Geschichte aus dem orthodox-jüdischen Milieu Zürichs ist authentisch, es hält die richtige Balance zwischen liebevoller Identifikation mit und ironisch-süffisanter Distanz zu Motti, seiner Mame und den anderen Figuren seines Romans.

Nachdem der Autor neulich im Rahmen der Veranstaltung „Zürich liest“ aus seinem neuen Werk vortrug und es dann noch sehr freundlich signierte, fing ich mit großen Erwartungen an, im neuen Buch zu schmökern.

Was für eine Enttäuschung.

„Rechnung über meine Dukaten“ handelt von dem Spleen Königs Fiedrich Wilhelm I von Preussen (1688-1713), sein Königsregiment mit „langen Kerls“ – Soldaten mit mindestens 1.88 Metern Gardemass – auszustatten. Im Zentrum des Buches steht der König, bzw. ein zwangsrekrutierter Sachse namens Gerlach, bzw. die eine oder andere dubiose Gestalt, die als „Werber“ im Auftrag des Königs ihr schmutziges Handwerk verrichtet: Es ist wirklich nicht klar, wer eigentlich im Zentrum steht.

Keine dieser Gestalten wird dem Leser wirklich nahe gebracht. Der König tritt auf eher als König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte von Lummerland; hirnlos und tölpelhaft, frönt er seiner Manie mit den „langen Kerls“, für die das Buch keinerlei Erklärung gibt. Der historische „Soldatenkönig„, der sein Land von den Kriegen seiner Zeit fern hielt wo er konnte, das Beamtentum, die Charité, die Schulpflicht einführte und von sich sagte, „die Regenten sind zum Arbeiten geboren, nicht zum faulen Leben“, kommt in dem Buch nicht vor; stattdessen ein Operettenkönig, der sich von jedermann übertölpeln lässt und nur eine traurige Figur ist.

Auch die anderen Figuren bleiben blass und schablonenhaft. Im Übrigen geht es den meisten von ihnen – wie auch der Titel des Buches andeutet – nur um eins: das Geld.

Das Grundproblem des Buches scheint mir, dass die Ironie und Süffisanz, die Thomas Meyer über seine Figuren ausschüttet, sich nur entfalten kann, wenn sie begleitet ist von Sympathie mit ihnen. In der „Schickse“ ist ihm das gelungen. In den „Dukaten“ nicht. Dehalb ist das Buch auch flach und die Personen kommen über Karikaturen nicht hinaus.

PS. Wer sich wirklich für das Innenleben der Oberschicht im absolutistischen Europa des 18. Jahrhunderts interessiert, sei verwiesen auf „das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ„. Seine Darstellung aus dem Innenleben des Hofes von Ludwig XVII ist spannend, unterhaltsam und erlaubt Einblicke in diese untergegangene Welt, von denen sich in den „Dukaten“ leider gar nichts findet.

Environmental Sustainability at SAP Switzerland

03 Freitag Okt 2014

Posted by hajovonkracht in English

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environmental, SAP, sustainability

At the occasion of SAP Switzerland’s 30th anniversary, in an email to all employees, the Employee Communications team gave an overview across environmentally relevant achievements and a look at future projects. The list is quite impressive, I must say.

  • SAP Switzerland offers employees a half-fare travel card for all public transport throughout Switzerland to help making the switch to public transportation.
  • SAP Switzerland employees have reduced printing by 24% since 2009. They saved more paper by printing double-sided by default. In 2009, 48% of printouts were double-sided; in 2014 65%. A new „badge printing“ process should reduce paper consumption further, eliminating print jobs that are never picked up.
  • In 2013, SAP launched its own carpooling application TwoGo.
  • Office supplies are mandated to collect and recycle the packaging of their shipped products.
  • All offices are equipped with sophisticated state-of-the-art video conferencing facilities to hold virtual meetings, meaning less business travel, more time and fewer emissions.
  • Server rooms at the various locations have been redesigned with the effect of reducing energy consumption by up to 70%.
  • SAP’s premises in Regensdorf are one of the first office buildings to meet Switzerland’s Minergie energy efficiency standards.  Energy efficiency of the old headquarter in Biel was considerably increased by bringing the metal cladding, windows, roof, and insulation up to the latest standards, replacing lights with energy-efficient LED lighting, resulting in energy savings of up to 70%. Air-conditioning was replaced with a chilled-ceiling system: Water-cooling is much more energy-efficient than cooling with power. Most locations will implement the ISO 14001 environmental management standard from 2015. This standard applies to companies who are looking to continuously improve their environmental performance and is the starting point for a long-term sustainability strategy.
  • In 2009 SAP joined the Swiss Climate Foundation, an alliance of companies that support the climate protection projects of SMEs in Switzerland. Such projects aim to cut greenhouse gas emissions and improve energy efficiency in Switzerland. Since joining the foundation, SAP has donated 379,000 Swiss Francs from its CO2 rebates.
  • Since 2014, SAP’s data centers and facilities have been powered by 100% renewable electricity, bringing their carbon emissions to zero. By 2020, electric cars will comprise 20% of the company’s vehicle fleet. SAP has been recognized as sector leader in the Dow Jones Sustainability Index for seven consecutive years.
  • The CO2 emission of the company car fleet was reduced by 20% from 2008 to 2014 (a value which obviously still is too high).

These are all internal accomplishments which will be continued. As a provider of business software, SAP supports customers to become more energy-efficient, to protect their workforce, and to mitigate risk. Being herself a champion in environmental sustainability plays a growing role in shaping SAP’s perception as a trusted and leading vendor.

Erste Entscheidung

27 Samstag Sept 2014

Posted by hajovonkracht in deutsch

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An diesem Wochenende erlebe ich das erste Mal, dass ich bei einer politischen Entscheidung um meine Meinung als Bürger gefragt bin. Ein ganz neues Gefühl, anders als bei einer Wahl. Ausser in ganz polarisierten Momenten, in denen eine einzige Frage die ganze Wahl dominiert, geht es bei Wahlen darum, einen package deal gegen den anderen abzuwägen, mit dem dumpfen Gefühl, dass die Gewählten hinterher sowieso tun was sie wollen. Es geht dabei eher darum, wem man die Macht mehr gönnt.

Seit drei Wochen haben Elke und ich die Schweizer Staatsbürgerschaft. Heute ist unser erstes Abstimmungswochenende, und wir haben je einen dicken Packen Unterlagen bekommen. Bislang haben wir gelegentlich in der Zeitung gelesen, dass die Schweizer wieder etliche Dinge abzustimmen haben, aber das hat uns nicht betroffen. Jetzt müssen wir mitentscheiden; unsere Entscheidung zählt, und auf einmal müssen wir uns mit diesen Angelegenheiten befassen.

Gut, nicht alles ist gleich wichtig. Irgendwelche obskuren Vertreter der Vermieter für das Mietgericht des Bezirks wollen gewählt werden. Ich kenne keinen einzigen Kandidaten. Auch bin ich kein Vermieter. Ich entsorge den Zettel mit den Wahllisten erst mal im Papierkorb.

Dann soll ich entscheiden, ob ein Sportzentrum in einem entfernt gelegenen Stadteil von Zürich modernisiert werden soll. 81 Millionen Franken wollen sie dafür ausgeben. Von meinem Steuergeld. Na ich will mal nicht so sein; sollen die Leute dort auch ihren Spass haben, selbst wenn das in Form von höheren Steuern irgendwann wieder zurückkommt. Kreuz machen reicht nicht, man muss „Ja“ hinschreiben.

Jetzt wirds politischer: Im Planungs- und Baugesetz soll ein Mindestanteil „preisgünstiger Wohnraum“ festgelegt werden. Das ist ein Gegenvorschlag des Kantonsrates zu einer im politischen Kuhhandel inzwischen zurückgezogenen Volksinitiative, gegen den (den Gegenvorschlag) wiederum ein Referendum ergriffen wurde. Host mi?

Ehrlich gesagt blicke ich nicht durch, was da alles schon ausgekungelt wurde. Aber dies hier scheint das verwässerte Übrigbleibsel der ursprünglichen Initiative zu sein, und am meisten haben mich die albernen Argumente der Gegenseite („Bürokratie“, „Verletzung der Eigentumsgarantie“, „Umgehung des Marktes“) bewogen, der Sache zuzustimmen. „Ja“.

Dann wollen die Gastwirte, dass sie weniger Steuern zahlen müssen. Ihre originelle Begründung: Nahrungsmittel im Supermarkt werden auch zu einem niedrigeren Satz versteuert, und eigentlich sind die Zürcher Gaststätten nichts anderes als Supermärkte, nur dass sie die Esswaren beim Über-den-Tresen-Schieben noch etwas aufwärmen, garnieren und mächtig verteuern. Ein netter Versuch. Wie gross darf man das „Nein“ auf den Stimmzettel schreiben, damit er nicht ungültig wird?

Zu guter Letzt die interessanteste Frage. Die Einheitskasse. Hier war ich lange unschlüssig. Es gibt für beide Seiten gute Argumente.

Heute gibt es 60 Krankenkassen in der Schweiz, die die Grundversicherung zu denselben Konditionen, aber unterschiedlichen Gebühren anbieten. Darüberhinaus gibt es Zusatzversicherungen, und auf diesem Feld gilt sowieso bunteste Vielfalt der Angebote und Konditionen. Alljährlich publizieren die Kassen die neuen Gebühren für die Grundversicherung, und dann setzt ein munteres Bäumchen-Wechsel-dich Spiel ein, und jeder wechselt seine Kasse hin zu einer vermeintlich günstigeren. Das hat etwas albernes an sich und meiner Meinung könnte man sich das sparen. Es bringt natürlich auch ein bisschen Leben in die Sache und Konkurrenz hat ja auch ihre Vorteile.

Wenn man mich fragen würde, würde ich sagen, das eigentliche Problem mit dem Krankenkassensystem der Schweiz ist nicht dass es 60 Kassen sind, sondern dass die Beiträge für die Grundversicherung nicht einkommensabhängig sind. Aber diese Frage steht nicht auf dem Stimmzettel. Nach langem Überlegen schreibe ich „Nein“ in das Kästchen.

So, jetzt habe ich den Oberen der Schweiz meine Entscheidung mitgeteilt, freue mich, gefragt worden zu sein und hoffe, dass sie sich das hinter die Ohren schreiben.

Unwinding Lopud

21 Samstag Sept 2013

Posted by hajovonkracht in English

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croatia, dalmatia, dubrovnik, lopud, unwinding

Lopud is a small island off the Dalmatian coast with some 200 permanent inhabitants, two beaches, modest tourism, and a few daily ferries to Dubrovnik. On this island, while reading George Packer’s The Unwinding, I discovered the truth: I am history.

I am spending a week on this island with my wife, determined to slow down, avoid sightseeing, and get our heads off the treadmill. (The latter intention was greatly supported by some IT folks, who replaced my sturdy old Blackberry just in time with a device containing – as it turned out – a defunct battery that unloads within an hour. Leaving the power socket in the hotel room now means getting truly offline.)

I have been to this island before, thirty years ago, in an earlier life, and before the Balkan wars. Last week, on the day before our departure I skimmed through a stack of old travel brochures and discovered that I booked the same hotel again. On the Web it looked brand new. In fact it was opened in the early eighties.

By the seafront of Lopud village, in the Obala Restaurant, we chatted with the old waiter. He lived on the island all his life, and when I mentioned that I stayed at the Lafodia hotel for the second time in thirty years, he told us with tears in his eyes that he used to work there at about that time. But now all had changed for worse and the place was owned by some Italian investor.

The Lafodia looks brand new. It sits – multistoreyed, shining white – in the bay of Lopud like a pair of huge passenger ships, driven by force into the mountain in this quiet backwater bay. Our hotel room adheres to the latest standards, is big and comfortable; nothing reminds me of my former stay, and we have a splendid view over the bay. From here we look out from the Lafodia, not at it.

The clerk at the reception had seen my old flyer before. An old British couple had shown him a copy. Of the three „Hoteli Lopud“ featured in this flyer, only the Lafodia survived – duly renovated and under new ownership. Being just 31 years old, the receptionist had no memories of those days, but he knew that it was the golden time of Dalmatian tourism, gone forever.

On the sea front we were greeted by a weathered billboard with information about the island in so many languages, written in 2010. Quite unusual for such a board, it includes this passage about the latest history of Lopud and the enterprise that ran the local hotels in the eighties: „Due to aggression against the Republic of Croatia from 1991-1995 business was operated in war conditions, the enterprise going bankrupt as a consequence. The so-called privatization, the sell-off of the hotels and real estates, as well as devastation, unemployment and job insecurity led to population decrease, and young Lopud people had to look for life opportunities elsewhere. Despite the natural resources and potentiality of comfortable life, since 1992 Lopud has been passing the saddest period in its long history. Despite everything, let’s hope for better times.“

Barbara is a slim and energetic lady from Germany, maybe in her sixties. She has lived on the island for 38 years, summer and winter. She runs a restaurant a few hundred meters off the coast together with her local husband, drawing tourists with „Hausmannskost“ and „Filterkaffee“. The restaurant looks like a time capsule straight out of the seventies. She stayed when things got bad and witnessed the exodus of the youth. Too few kids attend the local village school and as a result the school might be closed. „When you close the school you wipe out the soul of the village.“ On her daily walk to the seafront to feed stray cats she passes the decaying relics of the Grand Hotel where she once dwelled as a guest.

This idyllic island displays a fair share of unwinding, just like Packer’s America. In many facets he describes the fate of ordinary and not so ordinary Americans in the last decades, starting in 1978 (In this year I happened to do a lot of hitchhiking through the US.) To Packer this is a story of loss and decline. I was thrilled by his stories and highly recommend the book. However …

I came to Croatia (then part of Yugoslavia) a few times before the war. Now – after a gap of thirty years I feel like a time traveler, missing the time between two flashlights, and the sense of unwinding – the whining on the billboard – feels odd.

The tourist audio guide available for rent talks about Kaštio, the old castle on top of the mountain, built after Ottoman raiders attacked the Elaphite islands and took most inhabitants away into slavery. In Worldwar II Lopud was occupied by German troops. And still the time since 1992 is perceived as the saddest period the island’s long history?

For one day we abandoned our plan not to do sightseeing and went on a day trip to Dubrovnik. We visited a great photo exhibition where the photographer documented atrocities committed by the Croatian militia against the (Muslim) population of Mostar, just a few kilometers away. Which puts the „aggression against the Republic of Croatia“ a bit into perspective.

And what about „the so-called privatization, the sell-off“? Around us are souvenir shops, restaurants, boat rentals, all operated by people from Croatia. The investor from Italy has started work on the restoration of the decayed Grand Hotel. The cheerful young lady working as a waiter in the restaurant Dubrovnik comes from Zagreb and works for six months during the tourist season. The other six months she spends on relaxing and „just having fun“.

When I was here 30 years ago, there was only one party, Marshal Tito was in power, and hotels like other corporations were state-owned. Many things were unavailable, or not allowed. „For a socialist country, things could be worse“, we thought. We booked only brand new hotels, built by the government with good standards. When one returned to the same facility a few years later, it was run down and uncomfortable, because nobody cared about them, maintained them. There was no sense of ownership.

As a time traveler, coming straight out of history, I see change. Some unwinding, some missed chances, some terrible losses. But that’s only one side of the story. I also see buzzing life, people finding new ways and a beautiful island greeting visitors like me, who just want to unwind.

Winkelwiese (en)

09 Dienstag Jul 2013

Posted by hajovonkracht in English

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Frank Binder, Villa Landolt, Villa Winkelwiese, Zürifäscht

Last weekend, we celebrated „zürifäscht“.

Once in three years, Zurich is having a blast. On two consecutive nights there is a spectacular display of fireworks on the lake, with classical music on one evening, and popular songs on the other. The fireworks are world class. 2.3 million people – half of Switzerland and droves of visitors from the near abroad – crowd the streets, drawn into town by food stands, Ferris wheels, high-wire artists between the highest church towers, a Hong Kong dragon boat race on the Limmat river, orchestra stages and bands on every corner. When the fireworks are over around midnight, masses almost trample each other to death on the narrow bridges across the river.

This year we enjoyed a special perspective on the fireworks of Friday night.

On our trip to China we met Magi, a well-known cartoonist from Zurich. She has a studio mid-town, at Winkelwiese #10. There we met for some Chinese soup (with Mediterranean add-ons), wallowed in China travel memories, and clambered up through a dark and winding attic staircase to a tiny open terrace on top of Villa Winkelwiese. From there, all of downtown Zurich was at our feet and we watched the gigantic fireworks from above.

Villa Winkelwiese is located at one of the most privileged spots within the most expensive city on earth. Its big stately rooms on three floors – more than three meters high, with parquet floor, a manorial central staircase, surrounded by a large idyllic wild green garden – is inhabited by a colorful apartment-sharing community of youngsters, about ten of them. Students, as far as I can tell: Easy-going, all in a tumble. Feels like a dormitory. And Magi has her studio here.

To Chinese soup and Tsingtao beer, Magi told us about the villa’s history. My memories have been dimmed by „zürifäscht“ but enhanced by some internet browsing, and this is the story that unfolds.

In October 1929 – just before the Black Friday crash that turned into the Great Depression – a Swiss bank director by the name of Ernst Gross was on a business trip in New York. He smelled that something really bad was brewing up – he saw the crash coming – and he cabled home per Morse code, as it was used then, to his co-directors: “Sell at once, stop” followed by a long list of stock titles to be sold, mainly US stock. The immediate answer from Zurich was: “Makes no sense, stop, will certainly not sell, stop”. So he cabled back and ordered to immediately sell at least his private share of all these titles and cash them in.

This happened, the crash came, and while his bank – like all others – suffered monstrous losses, bank director Gross was sitting on a huge pile of cash, knowing that it would become worthless sooner than later.

That’s when he purchased – in one of Zurich’s most privileged locations – “Zur Schönau”, a residential house built in 1836 by music teacher Heinrich Arter. He had it torn down and in 1932 – when nobody else had any money – he built a villa in the latest style of the time – with knobs on, big electrical foldaway windows to his garden, walk-through safe in the basement (for all his money), wine cellar, a service elevator to transport prepared food from the kitchen to the upper floors, and so on and so forth.

The villa has two faces. Toward the small road – the Winkelwiese – it looks chunky, repellent, showing small windows and a lot of gray stone. It shows its charm to the other side, toward the large secluded garden, and in particular on the inside.

Ernst Gross, the banker, died in 1952 and left behind two daughters. One of them, Dr. Vera Susanna Gross – lived after her father’s death in the top floor apartment – unmarried and childless. The two lower floors were let in 1969 to the most famous citizen of Zurich – the former mayor Landolt and his wife. Both tenants were granted life estate by the Gross family, and it is one of the peculiar twists of this story that both tenants enjoyed their life estate until they passed away at the age of 100.

Meanwhile Vera Groß had died without relatives, and she bequeathed the villa to a charismatic sect. That’s when the city government stepped in and purchased the building in 1974 for 3.9 million Swiss Francs, without a clear concept of what to do with it. (Maybe they even had a concept, certainly some officials might have loved to move in there, but the last tenant with life estate didn’t consent to die for another 30 years).

In 2003 the ex-major’s widow, Frau Landolt, finally passed away at the age of 100, and the city put out to tender the lot and premise for a building lease of 62 years.

300 applicants moved forward and 31 elaborate project offers came in. The running was made by Frank Binder, heir to the German pharmaceutical corporation of Merck, who proposed to take the old villa down and erect a brand new big residence in its place. The price was 4.5 Million Swiss Francs plus a yearly payment of 210’000 for the 62 years of the lease.

Now a whole range of protests and objections was raised – from political parties, the neighbors, and just about anybody. The plans have been on hold now for 10 years and the villa is in a state of in-between. The student apartment-sharers – just as Magi with her studio – have temporary leases that are extended by quarter. Mr. Binder has a signed contract. As soon as his plans get official blessing, which could last another ten years or happen tomorrow, it will be torn down, and until then from its roof top terrace the villa allows for the most beautiful views on the fireworks of Zurich.

Winkelwiese (dt)

09 Dienstag Jul 2013

Posted by hajovonkracht in deutsch

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Frank Binder, Villa Landolt, Villa Winkelwiese, Zürifäscht

Am vergangenen Wochenende war Zürifäscht.

Alle drei Jahre lässt die Stadt Zürich es richtig krachen: an zwei Abenden gibt es jeweils ein riesiges Feuerwerk auf dem See, einmal zu klassischer Musik, einmal untermalt mit Pop. Zwei Millionen Besucher wälzen sich durch die Stadt. Fressbuden, Riesenrad, Hochseil-Akrobaten zwischen Kirchtürmen, Drachenbootrennen auf der Limmat, Musikbühnen an jeder Ecke locken die halbe Schweiz und das nahe Ausland. Wenn das Feuerwerk vorbei ist, trampeln sich die Massen halb tot auf den engen Brücken über den Fluss.

Diesmal hatten wir eine ganz besondere Perspektive auf das Feuerwerk am Freitagabend.

Auf unserer China-Reise haben wir eine Zürcher Cartoonistin kennengelernt, Magi Wechsler. Sie hat ein Atelier mitten in der Stadt – in der Winkel­wiese 10. Wir trafen uns zu einer chinesischen Suppe (mit allerlei mediterranen Ergänzungen), schwelgten in China-Erinnerungen und kraxelten dann über den verwinkelten Dachboden auf die kleine Terrasse ganz oben auf der Spitze der Villa Winkelwiese. Dort lag uns Zürich zu Füssen und wir schauten von oben auf das gigantische Feuerwerk.

Die Villa Winkelwiese liegt an einem der pri­vi­legiertesten Orte in der teuersten Stadt der Welt. Ihre grossen herrschaftlichen Räum­lich­keiten auf drei Stockwerken – mit Parkett, einem grossen Treppenhaus, umrahmt von idyllischem wild wachsendem Grün eines grossen verborgenen Gartens – wird bewohnt von einer bunten Wohn­gemein­schaft von jungen Leuten, etwa zehn an der Zahl. Es geht lässig zu, kunterbunt, und erinnert irgendwie an Studentenwohnheim. Und Magi hat hier ihr Atelier.

Bei chinesischer Suppe und Tsingtao Bier erzählte uns Magi von der Vergangenheit der Villa. Soweit meine – durch „zürifäscht“ reduzierte, aber durch Internetrecherche angerecherte – Erinnerung trägt, bildet sich folgende Geschichte heraus:

Im Oktober 1929 – kurz vor dem Schwarzen Freitag, der die Welt­wirt­schaftskrise einläutete – soll sich ein Direktor der SKA (einer bedeutenden Schweizer Bank) mit dem Namen Ernst Gross zu einer Geschäftsreise in den USA aufgehalten haben. Dort – so geht die Geschichte weiter – wurde ihm klar, dass etwas im Busch war – er sah den Crash kommen – und kabelte per Morsecode, wie es damals üblich war – an seine Direktionskollegen: „Sofort verkaufen. Stop “ gefolgt von einer langen Liste amerikanischer Aktien. Die Antwort kam prompt: „Das machen wir auf keinen Fall. Stop“, und er gab Anweisung, unverzüglich wenigstens seine privaten Anteile all der genannten Aktien zu verkaufen und in Bargeld umzuwandeln.

Das geschah, der Crash kam, und während seine Bank – wie alle anderen – ungeheure Verluste hinnehmen musste, sass er auf einem riesigen Haufen cash.

Davon kaufte er sich am schönsten Platz Zürichs ein altes Haus – das 1836 erbaute Wohnhaus „Zur Schönau“ des Musiklehrers Heinrich Arter – liess es abreissen und erbaute 1932 – als niemand sonst Geld hatte – eine im damaligen Stil mit allen Schikanen ausgebaute Villa, mit elektrisch ver­senk­barem grossem Fenster zum Garten, be­geh­barem Safe im Keller (für all sein Bargeld), Weinkeller, Waren­lift für das zubereitete Essen aus der Küche in die oberen Stockwerke, und so weiter und so fort.

Die Villa hat zwei Seiten. Zur kleinen Strasse hin – der Winkelwiese – wirkt sie klobig, abweisend, mit kleinen Fenstern und viel grauem Stein. Ihren Charme zeigt sie gegenüber dem von aussen nicht einsehbaren grossen Garten, und in ihrem Inneren.

Ernst Gross starb 1952 und hinterliess zwei Töchter, von denen eine – Dr. Vera Susanna Gross – nach dem Tode ihres Vaters unverheiratet und kinderlos im obersten Stock wohnte. Die unteren Etagen wurden 1969 vermietet, und zwar an den prominentesten Bürger Zürichs, den ehemaligen Stadtpräsidenten Landolt und dessen Frau. Beiden Mietern wurde grundrechtlich ein Wohnrecht auf Lebenszeit eingetragen, und es gehört zu den Eigentümlichkeiten dieser Geschichte, dass beide Mieter – mit Wohnrecht auf Lebenszeit – hundert Jahre alt wurden.

In der Zwischenzeit war auch Vera Gross ver­storben; sie vermachte das Haus einer pfingstlerisch-charismatischen Sekte. Darauf schritt die Stadt ein und kaufte das Haus 1974 für 3.9 Millionen Franken, ohne recht zu wissen, was sie damit tun sollte – zwar hätte sicher so mancher aus der Stadtverwaltung gern die Villa für sich genutzt, aber die Bewohner mit Wohnrecht auf Lebenszeit dachten noch 30 Jahre lang nicht daran, abzutreten.

Erst 2003 starb die Witwe von Ex-Stadtpräsident Landolt und 2005 schrieb die Stadt das Grundstück samt Gebäude für 62 Jahre Baurecht zum Kauf aus (d.h. nach 62 Jahre fällt es zurück an die Stadt).

Über 300 Bewerber meldeten sich, 31 konkret mit Plänen ausgearbeitete Angebote gingen ein. Das Rennen machte ein Erbe des Pharmakonzerns Merck – Frank Binder – der die alte Villa abreissen und ein neues grosses Projekt an dieser Stelle aufrichten will. Er zahlt einmalig 4,5 Millionen Franken plus jährlicher 210 000 Franken Baurechtszins.

Daraufhin regte sich aller möglicher Widerstand – von politischen Parteien, von Anwohnern. Die Neubaupläne liegen aus Eis, und seit zehn Jahren befindet sich die Villa in einem Schwebezustand: Den Mitgliedern der Wohngemeinschaft – und auch Magi – werden die Verträge von der Stadt immer nur zeitlich befristet verlängert; Frank Binder hat einen unterschriebenen Vertrag in Händen. Sobald seine Pläne genehmigt werden – was nochmal zehn Jahre dauern, aber auch morgen schon geschehen kann – wird die Villa abgerissen, und bis dahin lässt sich von ihrem Dach der schönste Blick auf Zürichs Feuerwerke geniessen.

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