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Schlagwort-Archiv: Flüchtlinge

Aeham Ahmad, Und die Vögel werden singen

17 Samstag Mär 2018

Posted by hajovonkracht in deutsch

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Schlagwörter

Aeham Ahmad, Buchbesprechung, Flüchtlinge, Syrien, Und die Vögel werden singen

Musiker sollen Musik machen und nicht Bücher schreiben. Habe ich immer gedacht.

Allerdings gibt es Ausnahmen. Aeham Ahmads Buch ‚Und die Vögel werden singen‚ ist eine.

Erstens ist es gute Unterhaltung. Es ist spannend, sehr persönlich, man taucht ein in eine Biographie, die dramatischer, tragischer, dabei auch hoffnungsvoller kaum hätte erfunden werden können. Dabei erzählt er humorvoll, ohne erhobenen Zeigefinger, ohne Opfer- oder Mitleidsgeste (Er hatte mit Sandra Hetzl und Ariel Hauptmeier Unterstützung durch zwei sehr gute Übersetzer/Editoren).

Zweitens – und deshalb lege ich das Buch allen besonders ans Herz – ist es ein Beitrag zu einer der drängendsten Fragen, die heute viele Menschen bewegen.

Wer sind diese Flüchtlinge, die in grosser Zahl zu uns kommen? Zu uns strömen, als Welle, Lawine, oder wie die entmenschlichenden Metaphern alle heissen? Warum kommen sie? Warum hierher, wo sie doch bleiben könnten, wo der Pfeffer wächst?

Hier kann Aeham Ahmad eine Geschichte erzählen. Seine Geschichte. Er erzählt, wie er zusammen mit seinem Vater dabei war, eine einigermassen erfolgreiche Firma aufzubauen, die den Vertrieb und die Herstellung von Musikinstrumenten mit dem Erteilen von Musikunterricht verband. Wie er seine Leidenschaft für die Musik, die ihn schon früh beherrschte, klug und pragmatisch in ein Lebensprogramm einbaute, das uns so gar nicht fremd und exotisch vorkommt. Wie er, im kulturellen Setting des damaligen Syrien, seine Frau Tahani kennen und lieben lernte – sicher würde das bei uns etwas anders verlaufen, aber er bringt uns diese Liebe so nahe, dass wir ganz dabei sind.

Er beschreibt, erst mehr im Hintergrund seiner Geschichte, wie die hohlen Phrasen der verschiedenen politischen Fraktionen, Sektierergruppen und „Befreiungsbewegungen“, die sich im Lande tummeln, von vielen nicht so ernst genommen wurden. Assads Geheimdienst allerdings wurde ernst genommen, und dagegen richteten die Menschen sich auf. Freiheit. Ahmad schildert packend und aus seiner sehr persönlichen Perspektive, wie diese Revolution durch die unvorstellbare Barbarei der Assad-Schergen auf der einen Seite, und dadurch, dass sie auf der anderen Seite von all diesen sektiererischen Befreiungsideologen gekapert wurde, völlig entgleiste und in eine Schlächterei aller gegen alle ausartete, die zu den Bildern führte, die wir nunmehr seit sieben Jahren aus Syrien im Fernsehen sehen. Und dazwischen Menschen, die längst ihre Geschäftsideen zerbombt sehen, ihre Freunde, Nachbarn und Verwandten wahllos zerfetzt und ermordet, sich von Gras und zufällig geretteten trockenen Bohnen oder sonstwas ernähren, und nur irgendwie überleben wollen.

Und dann den Weg nach draussen finden. Jedenfalls ein paar von ihnen. Und darum kämpfen, ihre Liebsten nachholen zu können, sich ein Leben im Ausland einzurichten und von Heimweh, Schuldgefühlen und Sorgen um ihre Angehörigen in der syrischen Hölle gequält werden.

Das Buch zeigt ein Einzelschicksal, und wenn man genauer hinschaut, sieht man: da ist keine Welle, keine Lawine. Hinter jedem, der hierher kommt, steht eine Geschichte. Auch hinter jedem, der es nicht schafft, der wie Ahmads Bruder Alaa vom Regime auf Nimmer-Wiedersehen verschleppt, oder wie Zeinab, das lebensfrohe singende Mädchen, sinnlos abgeknallt wurde. Jede dieser Geschichten wiegt schwer, und die wenigsten werden erzählt. Welch Glück, dass Aeham Ahmad uns seine so trefflich erzählen kann.

Vorauseilende Aufregung um Flüchtlinge in Zürich West

12 Samstag Dez 2015

Posted by hajovonkracht in deutsch

≈ Ein Kommentar

Schlagwörter

Asyl-Zentrum, Duttweiler-Areal, Flüchtlinge

Am 10. Dezember veranstaltete der Bund der Freidenker anlässlich des „internationalen Tags der Menschenrechte“ eine Podiumsdiskussion im freundlichen Ambiente des Sphères in Zürich. Thema war das geplante Asylzentrum für 360 Flüchtlinge im Duttweiler-Areal im Kreis 5. – „Welches sind die Sorgen der AnwohnerInnen und Gewerbetreibenden angesichts des im Kreis 5 geplanten Bundesasylzentrums? Sind die Ängste berechtigt?“

Es diskutierten

  • Thomas Kunz, Direktor der AsylOrganisation Zürich (das ist die Organisation, die im Auftrag der Stadt diese Zentren betreibt; er war auch der einzige, der wirklich wusste, wovon er sprach),
  • drei Gemeinderäte: Markus Baumann (glp), Ezgi Akyol (AL), Elisabeth Schoch, (FDP),
  • auch das 50köpfige Publikum wurde in die Diskussion einbezogen.

sphères

Man kann natürlich darüber diskutieren, ob es noch bessere und kosteneffizientere Lösungen für die Unterbringung gibt (Ezgi Akyol plädierte für dezentrale Lösungen; es gibt einen Projektvorschlag der Halter AG, ein integriertes Wohn- Büro- und Asylzentrum zu erstellen), geprägt war der Abend aber über weite Strecken davon, dass Elisabeth Schoch sichtlich bemüht Argumente gegen das Projekt zusammenklaubte: Man könne die Flüchtlinge weiter weg am Flughafen in Kloten unterbringen, die Lebendigkeit des Quartiers sei den Flüchtlingen nicht zuzumuten, und was ihr so in den Sinn kam.

Dann meldete sich aus dem Publikum ein Vertreter der SVP (die nicht auf dem Podium vertreten war) und sprach von den hohen Kosten des Projekts, ohne irgendeinen konstruktiven Vorschlag zu machen (Die Kosten – wurde er von Thomas Kunz belehrt – werden vollständig vom Bund getragen und belasten die Stadt in keiner Weise), und auch einige andere besorgte Bürger trugen ihre Thesen vor, bis zu dem Rat, man solle doch bitte erst die Probleme in Syrien lösen, ehe man überhaupt etwas für Flüchtlinge in der Schweiz tue, weil man sonst noch mehr von ihnen anlocke.

Mein Résumé des Abends:

  1. 360 Flüchtlinge inmitten des lebendigen Quartiers Zürich West sind – wie ein Herr aus dem Publikum treffend bemerkte – ein wahrlich niedliches Problem, und es ist verblüffend, wie reflexartig Besorgnis gegen Flüchtlinge mobilisiert werden kann, die in keinerlei Relation zur Ursache steht.
  2. Wenn alles läuft wie geplant, reden wir hier von einer Einrichtung, die 2020 ihren Betrieb aufnehmen wird. Vorher (wann?) wird noch darüber abgestimmt. Schaun wir mal, wie Europa bis dahin aussehen wird. Hier heisst es für alle Beteiligten erst mal: Ausatmen und wieder abregen.
  3. Wenn die Einrichtung tatsächlich kommt, wäre es am besten, im Quartier würde sich ein privater Verein bilden, der das Zentrum und die Menschen darin begleitet, sie bei ersten Schritten der Integration unterstützt, sich allfälliger Probleme annimmt und auch bei der Kommunikation im Quartier hilft.

Ja, und dann war ich noch so leichtsinnig, kundzutun, ich würde mich bei einem solchen Verein beteiligen, weshalb ich meine Koordinaten beim Chef des Sphères, Bruno Deckert, hinterlegt habe. Wenn jemand mitmachen will.

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