A Letter From Syria

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Today I received this mail from Laila Kiki, The Syria Campaign (they are connected to the “White Helmets” who have done a lot of great work in Syria rescuing people). I would like to share this with all of you.


The Syria CampaignDear friends,

Many times over the past years we Syrians have dared to hope that the worst of the conflict may have passed. On so many occasions we have been wrong, and the conflict took a new, darker turn.

The latest disaster to befall us came after a phone call last weekend between US President Trump and the Turkish President Erdogan, after which Trump announced the withdrawal of US troops from the northeast of Syria. A few days after, Turkey advanced across the border and started its military operation to establish a buffer zone along the border and drive out the Syrian Democratic Forces (SDF), the Kurdish-led Syrian militia that has been in control of the area.

International attention has focused on Trump’s betrayal of the SDF, which was the main partner of the Global Coalition to Defeat ISIS and lost thousands of men and women in the fight. But behind those headlines there are civilians whose lives, rights, and aspirations are being ignored.

Already we have seen horrific losses: civilians killed, homes destroyed, executions, serious human rights violations by Turkish backed forces, and more than 160,000 civilians displaced. The people of northeast Syria–Arabs, Kurds, Assyrians, Chaldeans–have suffered tremendously since 2011 and it’s heartbreaking to see them subjected to further displacement and bombardment.

One of the worst fears for the area materialized only a few days later when Putin took the opportunity to broker a deal for the SDF to hand over control of the region to Assad in a bid to protect itself against Turkey. Assad forces, backed by Russia, advanced across the northeast and started seizing control of towns and villages there.

Syrians know well that Assad’s rule means total oppression and punishment for communities that have opposed him. Journalists and activists, many of whom resisted ISIS and its ideology at huge personal risk, will face detention and disappearance in Assad’s torture dungeons. Civil society groups that have received US support are particularly at risk, and the US has a responsibility to ensure they’re protected.

People in the area and across the country are living in fear and uncertainty about what will come next. The northeast has been thrown into chaos by the US withdrawal and the Turkish operation, and the ripples of these events will affect all parts of the country. Many fear that Turkey will forcibly resettle Syrian refugees to the buffer zone that it’s aiming to establish, which would constitute a further violation of Turkey’s obligations under international law. And while the world’s attention is on the northeast, the 3 million civilians in Idlib are terrified that Assad will use the opportunity to further escalate the attacks on them.

So, what’s next?

The situation is likely to get worse, and more complicated, and the dream we share with millions of Syrians of a free and democratic country may seem more distant than ever before. But we will not accept an international community that stands by while Trump, Putin, and Erdogan make decisions that will impact millions of Syrians. And we will continue to support Syria’s heroic civil society activists in their demands for a nationwide ceasefire, accountability for war crimes, and a Syria for all Syrians without Assad, without extremists, and without foreign forces. I hope you will too.

In solidarity,
Laila

Here you find the Web site of The Syria Campaign.

I am totally at a loss about what to do. Shame on Trump. But also shame on Europe who have not accepted their responsibility. And I wonder if there is not anything we can do except sharing posts and emails?

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Nu staoht de Erpeln uppen Disk, nu werd’t se ock etten

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Am 1. September stimmt Zürich über die kantonale Umsetzung der am 19. Mai von 66% der Abstimmenden schweizweit angenommenen Steuerreform ab.
Ich habe mich damals mit wenig Begeisterung dazu durchgerungen, der STAF zuzustimmen. Mein Hauptgrund war die Abschaffung der Steuerprivilegien für überwiegend im Ausland tätige Konzerne.

Jetzt geht es nicht darum, alles nochmal über den Haufen zu werfen, sondern zu beurteilen, ob die Umsetzung für den Kanton Zürich ok ist.

Im Vorfeld der Abstimmung zeigt sich, dass mal wieder in sehr herkömmlicher Weise “links” und “rechts” gegeneinander auffahren. “Links” (AL, SP, Grüne, Gewerkschaften) ist dagegen, alle anderen (“rechts” sowieso, aber auch die sogenannten “Mitteparteien” wie z.B. die Grünliberalen) sind dafür.

Das Argumentarium der SP [↓ PDF] enthält die relevanten “linken” Argumente gegen die Annahme der Vorlage (und wird auch ziemlich wörtlich von den Grünen verwendet, wie sich überhaupt die Grünen in dieser Frage ganz im Schlepptau der SP zu befinden scheinen).

1. Um wieviel Geld geht es?

Der Regierungsrat schätzt die Mehrausgaben für die geplanten Änderungen so ein:

für den Kanton für die Gemeinden  
-240 Mio -205 Mio ohne Ausgleich durch Bundessteueranteil usw.
-180 Mio -85 Mio mit Ausgleich

Diese Einschätzungen unterliegen naturgemäss grosser Unsicherheit, und die SP befürchtet, dass die Rechnung am Ende viel höher ausfallen könnte. Da ist was dran, insbesondere weil der Regierungsrat damit rechnet, dass doch etliche der vom Wegfall ihrer Privilegien betroffene Firmen weiterhin im Kanton Steuern abführen werden. Wenn man allerdings die Wahrscheinlichkeit dafür erhöhen wollte, müsste man die Steuern noch weiter senken, was ganz im Widerspruch zur Position der SP steht.

Aber nochmal von vorne: die Firmen, die das Steuerprivileg für überwiegend im Auslang tätige Konzerne verlieren, und deshalb akut mögliche Kandidaten einer Abwanderung (aus der Schweiz) sind, tragen heute im Kanton Zürich 16% zum Steuerertrag aller Gesellschaften bei. Das sind bei 1.46 Mrd errichteten Staatssteuern durch juristische Personen im Jahr 2017 (siehe Geschäftsbericht [↓ PDF]) gerade mal 234 Mio. Um davon nicht den grössten Teil zu verlieren, verzichtet man auf 445 Mio Einnahmen. Wirklich? Klingt ein bisschen wie Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Oder was hab ich übersehen?

Die Alternative wäre, gar nichts zu machen, das Risiko in Kauf zu nehmen, dass diese Firmen in andere Steueroasen abwandern, und die Mindereinnahmen von 234 Mio einfach wegzustecken.
Das sähe dann so aus:

für den Kanton für die Gemeinden  
-127 Mio -106 Mio ohne Ausgleich durch Bundessteueranteil usw.
-67.4 Mio +13.8 Mio mit Ausgleich

Für mich sieht das deutlich schmerzfreier aus.

Ich schliesse daraus, dass die vorliegende Vorlage nicht die Umsetzung der am 19. Mai beschlossenen STAF ist, sondern einfach die Gelegenheit genutzt wird, Steuersenkungen für Unternehmen durchzusetzen. Klar ist jedenfalls, dass die Vorlage unter falscher Flagge segelt.

Wettlauf nach unten

Wichtiger als die 16% möglichen Einnahmeverluste durch das Wegbrechen der hauptsächlich im Ausland tätigen Firmen ist etwas anderes: der interkantonale Wettbewerb, der dazu führt, dass etliche Kantone die Unternehmenssteuern drastisch senken, und Zürich vielleicht gar keine Wahl hat, als bei dem Spiel mitzumachen. Die Senkung der Gewinnsteuer von 8% auf 7% lässt sich damit gut begründen, und Zürich wäre immer noch an der Spitze der Kantone.

Alte Schlupflöcher zu, neue auf

Problematisch finde ich den Umgang mit den durch die Abstimmung vom 19. Mai möglich gemachten neuen Schlupflöchern. Insbesondere zwei:

  • Wenn man Forschungs- und Entwicklungsausgaben zu mehr als 100% absetzbar macht (in unserem Fall: zu 150%), tritt der eigentliche Zweck der Forschungstätigkeit in den Hintergrund. Beispiel: Ich gebe eine Million aus für die Erforschung, wie sich die Mondphasen durch Wünschelrutengänge beeinflussen lassen. Natürlich kommt nichts dabei heraus. Dann setze ich anderthalb Millionen von meiner Steuer ab, und die Sache hat sich vielleicht doch für mich gelohnt. Oder ich deklariere ganz andere Aktivitäten als “Forschung” (so wie es die Japaner mit dem Walfang machen). Mit anderen Worten: solche überschiessenden Absetzungsmöglichkeiten fördern nicht die Forschung, sondern die kreative Buchhaltung.
  • Patentboxen haben gestartet als reichlich windige Methode, sich auf Kosten anderer Staaten zu bereichern. Inzwischen hat die OECD einigermassen klare Regeln dafür aufgestellt, wie solche Instrumente ausgestaltet werden sollten, um den Vorwurf der “harmful tax practices” zu vermeiden. Ich glaube aber, dass dies ein Feld sein wird, wo noch über Jahre ein Katz- und Mausspiel zwischen Steuervermeidern und -inspektoren stattfinden wird. Ich glaube nicht, dass es der Schweiz gut tut, in diesem Spiel vorne mit dabei zu sein.

Was folgt nun aus all dem?

Ich antworte mit dem Klassiker aller Antworten, in der Version aus dem Emsland (einer Gegend in Norddeutschland, die – wie man dem Dialekt entnehmen kann – an Holland grenzt): „Nu staoht de Erpeln uppen Disk, nu werd’t se ock etten.“ – Hochdeutsch: Jetzt stehen die Kartoffeln auf dem Tisch, jetzt werden sie auch gegessen.

Also: Augen zu, “ja” gestimmt, und sich anderen Themen zugewandt.

Europäische Debattenplattform

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In meinem letzten Beitrag zu diesem Blog habe ich vorgeschlagen, eine neue Plattform für eine europäische Innenpolitik zu bauen (inzwischen gibt es so etwas wie einen Prototypen hier).

Inzwischen habe ich zu dem Projekt eine interessante Rückfrage bekommen, auf die ich hier gerne eingehe.

“Danke für die Zusendung des spannenden Projekts! Ich habe die Unterlagen gelesen und wurde stark an voxeurop.eu erinnert (sowie natürlich Le Courrier International). Verstehe ich es richtig, dass der Unterschied zu dieser Plattform darin besteht, dass die Inhalte nicht von JournalistInnen geschrieben werden sollen? Wer sind auf deiner Plattform die AutorInnen, und aus welchen Gründen würden sie aktiv mitschreiben?”

Hier ein paar Punkte dazu:

  1. Wie schon Blogger Rezo in Einleitung zu seinem berühmten Zerstörungsvideo bemerkt hat, redet er nicht über EU-Politik, “…weil EU Politik fucking langweilig ist”. Wir bauen keine Plattform für EU Politik.
  2.  

  3. Es geht um eine neue Kategorie: eine Innenpolitik, die auf europäischer Ebene stattfindet und debattiert wird, weil sie die Menschen länderübergreifend betrifft. Beispiele:
    • Was sagen die politischen Akteure in Deutschland und der Schweiz zu der Tatsache, dass es seit Jahren, trotz klarer Staatsverträge keine vernünftige Bahnverbindung Zürich-Stuttgart gibt? Kann man da gemeinsam was machen?
    • Wie stehen NEOS, österrreichische Grüne, Liste Pilz und andere zu der Vignettenfrage, die zwischen Bayern und Österreich ausgefochten wird?
    • Wie stehen die liberalen Kräfte in der Slowakei zur Politik der Visegrad Staaten, und sehen sie sich als Teil dieser Gruppe?

    Das sind ein nur paar Beispiele, bei denen die Zivilgesellschaften verschiedener Länder miteinander ins Gespräch gebracht werden sollten. Es wäre interessant, die Liste zu erweitern.

  4. Die Struktur aller politischen Debatten verläuft heute entlang der (national unterschiedlichen) Parteienlandschaften und daher jeweils unterschiedlich (und nationalborniert).
    Beispiel:

    • Das Verhalten der deutschen SPD Europaparlamentarier zur Wahl von Ursula von der Leyen, von der man halten kann, was man will, das aber SPD-seitig ganz und gar von der deutschen innenpolitischen Perspektive beherrscht wurde.


    Die hier verlinkte interaktive Graphik der NYT zeigt, wie unterschiedlich die Parteienlandschaften der verschiedenen Länder sind (auch wenn man die Einordnung der einen oder anderen Partei anders sieht).

  5. Niemand vermisst eine weitere Verlautbarungs- (oder unidirektionale Informations-Verbreitungs) Plattform, vor allem nicht aus Brüssel. Schwerpunkt der hier vorgeschlagenen Plattform ist, Menschen sprach- und länderübergreifend ins Gespräch miteinander zu bringen über scheinbar eigene landesspezifische, in Wahrheit europäische innenpoltische Themen.
  6. Warum nicht einfach Facebook oder Twitter für den Zweck nutzen? Immerhin sind dort die grossen Zahlen.
    Das grösste Problem bei FB & Co. ist, dass es keinerlei Qualitätsmanagement gibt, stattdessen Algorithmen, die darauf zielen, rationalen Diskurs zu zerstören (der aufgeregteste Post gewinnt immer). Aus den Möglichkeiten und Problemen der Social Media sollten wir lernen; Qualität und Durchschaubarkeit in den Diskurs bringen.
  7. Das Beispiel voxeurop ist tatsächlich sehr interessant und führt weiter. Mehr dazu unten. Zunächst einmal ein Überblick über europaweite Informationsressourcen (was ich halt so gefunden habe; gerne erweiterbar).
Name Sprachen Beschreibung Alexa Rank
euronews.com 12 Sprachen Europe’s number one news channel 2’053
politico.eu en Ableger eines US Magazins 15’561
eurotopics de, en, fr, tr, ru Pressespiegel; Bundeszentrale für politische Bildung (D); 5.331 FB likes 236’699
eurozine en, de Europe’s leading cultural magazines at your fingertips 18.497 FB likes 288’083
the european de, en “das Debatten-Magazin“, hauptsächlich Deutschland-zentriert; 21.844 FB likes 314’768
debating europe en, de Vermittelt Diskussionen mit EU-Funktionären 227.568 FB likes 356’361
vox europ cs, de, en, es, fr, it, nl, pl, pt, ro Nachfolgeprojekt von Presseurop.eu (mehr dazu s.u.) 48.895 FB likes 591’060
ipg-journal en, de, ru Internationale Politik und Gesellschaft (Ebert Stiftung) 9.794 FB likes 719’033
green european journal 21 Sprachen Hg. Grüne Europafraktion; Artikel jeweils in wenigen Sprachen 4.332 FB likes 1’114’669
european data journalism network en, de, fr, it, es, pt, pl, hr Funded by European Commission; 28 members (u.a. SPON, DW), hat Seite auf medium.com 1’122’135
netzwerk-ebd de Europäische Bewegung Deutschland – Netzwerk aus 249 Mitgliedsorganisationen 5.285 FB likes 1,206,371
  1. Voxeurop ist ein Nachfolgeprojekt von presseurop.eu, das von 2009 bis 2013 von der Europäischen Kommission gesponsort wurde. Sehr lehrreich: der Abschlussbericht zu presseurop von Deloitte im Jahr 2012. Dieser Bericht ist eine Pflichtlektüre für Leute, die sowas wie ich machen wollen. Ganz grob hier meine Argumente, warum ich meine, das von mir vorgeschlagene Projekt sei anders.
    • Zielgruppe soll nicht die “politische Klasse in Brüssel” sein (für die würden die Sprachen en, fr, de ausreichen, wie im Deloitte-Bericht ausgeführt), sondern politisch (nicht im engen Sinn europapolitisch) interessierte Menschen, die entdecken, dass ihre Anliegen über die Nationalgrenzen hinaus reichen.
    • Es geht nicht primär darum, den Presseorganen, die ihre eigenen Verbreitungskanäle haben, einen weiteren hinzuzufügen (das kann ein Nebeneffekt sein), sondern Menschen in Austausch miteinander zu bringen, und zwar auf bessere Weise, als dies heute über FB % Co. geschieht.
  2. Es bleibt die entscheidende Frage: Wer hat ein Interesse an einer solchen Plattform, und wer würde sich (unentgeltlich) beteiligen?
    Als Nutzer sehe ich weniger die politischen Partei-“Familien” im Europaparlament (obwohl auch dort grosser Bedarf nach transnationaler Debatte besteht), als transnationale Basisbewegungen: Fridays for Future, Pulse of Europe u.a.
    Dass “die Inhalte nicht von JournalistInnen geschrieben werden sollen” ist teilweise richtig. Das Format würde journalistische Inhalte einbeziehen und auf diese verweisen, aber als Herzstück eine eigene transnationale (und mehrsprachige) Debatten- und Kommentierfunktion bieten. Viele meiner FB-Kontakte posten fleissig Links zu Beiträgen, die sie für interessant halten, und sie tun dies ganz unentgeltlich. Diese Diskussion jenseits der nationalen Dunstglocke führen zu können, ist für sie vielleicht attraktiv.

Für eine europäische Innenpolitik

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Das Denken in Europa wird europäischer. Umso mehr fehlt ein europäische Debatten-Plattform. Grundproblem ist natürlich die Sprache. Aber moderne Technologien können da einen Beitrag leisten. Thinking becomes more European. All the more is a European debate magazine missing. The basic problem is, of course, the language. But modern technologies can make a contribution. Il pensiero diventa più europeo. Tanto più manca una rivista di dibattito europea. Il problema di base è, ovviamente, la lingua. Ma le tecnologie moderne possono dare un contributo.

Nach den Europawahlen zeigt sich mehr denn je, dass eine europäische Kommunikationsplattform fehlt.

Penser devient plus européen. D’autant plus qu’il manque un magazine de débat européen. Le problème fondamental est, bien sûr, la langue. Mais les technologies modernes peuvent apporter une contribution. El pensamiento se vuelve más europeo. Más aún falta una revista de debate europea. El problema básico es, por supuesto, el lenguaje. Pero las tecnologías modernas pueden hacer una contribución. Myślenie staje się bardziej europejskie. Tym bardziej brakuje europejskiego magazynu debatowego. Podstawowym problemem jest oczywiście język. Ale nowoczesne technologie mogą wnieść swój wkład.

Das Denken in Europa wird europäischer. Die Wahlbeteiligung an den Europawahlen ist ein klares Indiz. Wenn man aber die Berichterstattung über die Wahl und den Wahlausgang verfolgt, sieht man, dass 90% der abgehandelten Themen rein innenpolitsch bestimmt sind. Nach wie vor ist es extrem schwierig, zwischen den Menschen in den verschiedenen Ländern einen direkten Ideenaustausch herzustellen.

Denken wordt meer Europees. Des te meer ontbreekt een Europees debatmagazine. Het fundamentele probleem is natuurlijk de taal. Maar moderne technologieën kunnen een bijdrage leveren. A gondolkodás európai lett. Még inkább egy európai vitaüzenet hiányzik. Az alapvető probléma természetesen a nyelv. De a modern technológiák hozzájárulhatnak. Η σκέψη γίνεται πιο ευρωπαϊκή. Όσο περισσότερο λείπει ένα ευρωπαϊκό περιοδικό συζήτησης. Το βασικό πρόβλημα είναι, φυσικά, η γλώσσα. Αλλά οι σύγχρονες τεχνολογίες μπορούν να συμβάλουν. Mõtteviis muutub eurooplasemaks. Veelgi enam on puudu Euroopa arutelu ajakiri. Põhiprobleem on muidugi keel. Kuid kaasaegsed tehnoloogiad võivad anda oma panuse.

Gedankenaustausch zwischen den Ländern findet statt

  • entweder durch Journalisten, wobei diese meist aus innenpolitisch motivierten Sicht ihres eigenen Heimatlandes berichten,
  • oder durch eine kleine Schaar von Teilnehmerinnen und Teilnehmern an internationalen Konferenzen, vermittelt über die englische Sprache, was in vielen Ländern einen Grossteil der Menschen ausschliesst.

Reinhard Bütikofers wöchentlicher Blog gibt deutschen Lesern immerhin einen kleinen Einblick aus Grüner Perspektive in das, was in Brüssel abgehandelt wird.

Umso mehr fehlt eine europäische Debatten-Plattform. Grundproblem ist natürlich die Sprache. Aber moderne Technologien können da einen Beitrag leisten.
Maschinelle Übersetzung hat ihre Begrenzungen. Für “abstracts”, die erst mal möglich machen, zu verstehen, worüber in einem anderen Land gesprochen wird, kann sie bereits heute gut eingesetzt werden. Ebenso für die verzögerungslose Übersetzung von Kommentaren, die einen Diskurs zwischen Menschen verschiedener Sprachen ermöglicht.

Ich plädiere für den Aufbau einer mehrsprachigen pro-europäischen parteiunabhängigen Debatten-Plattform unter Verwendung von maschineller und manueller Übersetzung mit dem Ziel, Menschen aus den verschiedenen Ländern Europas direkt in Austausch zu bringen und Informationen hoher Qualität für den Diskurs verfügbar zu machen.

Dazu bräuchte man eine Gruppe von Leuten als “ambassadors” in den verschiedenen Sprachregionen, die aktiv Beiträge für dieses Magazin einholen, Qualitätskontrolle der Übersetzungen machen und die Verbreitung fördern.

Politische Ausrichtung

Die Plattform müsste unabhängig sein von Parteien. Parteizeitungen erlauben wenig intellektuelle Eigenständigkeit und sind deshalb meist langweilig. Ausserdem sind die Unterschiede, selbst innerhalb der im EU-Parlament vertretenen “Parteifamilien” so gross, dass eine Parteianbindung eine fruchtbare Debatte nur unterbinden kann. Gefragt ist aber eine klare pro-europäische Ausrichtung, wobei es durchaus verschiedene Meinungen darüber geben kann, was man darunter versteht. Eine “Republik Europa” wird von den einen angestrebt, eine nach Prinzipien der Subsidiarität organisierte zwischenstaatliche Instanz (“Konföderation”) von anderen gewollt. Was der Plattform die Identität gibt ist der Wille, eine europäische Innenpolitik zu entwickeln, in der nicht Institutionen sondern Menschen zusammenkommen.

Technisches: Prinzip der Übersetzung:

Die Autorin eines Textes (eines eigenen Beitrags, einer Empfehlung (mit Link auf einen Original-Text), oder eines Kommentars sieht unmittelbar beim Hochladen die Übersetzung ins Englische und kann damit sowohl die Qualität des eigenen Textes als auch die der Übersetzung kontrollieren und ggf. korrigieren. (Beispiel: “Ein Typo im Originaltext kamm zu einer absurden Übersetzung führen” wird zu “A typo in the original text comb would lead to an absurd translation”).
Alle weiteren Übersetzungen finden dann aus dem Englischen statt.
Besucher melden sich in ihrer eigenen Sprache an (z.B. Finnisch), und können dann alle Beiträge wahlweise in (a) ihrer eigenen Sprache (also Finnisch), (b) Englisch oder (c) der Originalsprache des Dokuments sehen.
Sie können die Dokumente kommentieren, wobei ihre Kommentare sofort ins Englische übersetzt werden. Hierbei ist eine Qualitätskontrolle notwendig, da Kommentare oft ungrammatisch, mit Tippfehlern und Auslassungen verfasst werden, was eine maschinelle Übersetzung problematisch macht. Gegebenenfalls ist es eine Aufgabe der “ambassadors”, hier einzugreifen bzw. Kommentare freizugeben.

Kein Business Plan (Version 0.01):

Die folgenden Kostenblöcke sind ein erster Versuch, die Dimensionen zu verstehen.
Man braucht genügend Geld, um ein Jahr ohne weitere Einnahmen zu überbrücken. Danach müsste man imstande sein, den Fortbestand über Spenden (oder vielleicht andere Einnahmen wie Werbung, Mitgliedsbeiträge u.a.) zu sichern.

  • Ich nehme mal an, dass der eingebrachte Content in der ersten Phase kostenfrei ist (das Versprechen der Plattform liegt in der Verbreitung der Inhalte über alle Sprachregionen, wobei es interessante Aspekte bezl. des Copyright der Übersetzungen geben wird)
  • Leute, die Empfehlungen posten, sollten mit einem kleinen Betrag (z.B. 1¢ pro Klick) belohnt werden. Je nach Klick-Zahlen kann das in den Bereich von 100’000 € gehen.
  • Die technische Plattform selbst muss bereitgestellt und gewartet werden.
  • Software-Entwicklung wird im ersten Jahr kontinuierlich erforderlich sein
  • Lizenzen für die Übersetzungs-Software fallen an.
  • Pro Sprachregion benötigt man einen Ambassador (Teilzeit, vielleicht 20% Job), der auch die QA für die Übersetzungen überwacht. Man sollte mit mindestens 12 Sprachen beginnen (Das deckt immer noch nicht alle Sprachen der EU ab, aber es wäre ein Anfang; die Zahl könnte in einer zweiten Phase auf 25 gesteigert werden).
  • Man braucht eine Governance-Struktur, um Qualität und Ausrichtung der Plattform zu gewährleisten
  • Die Plattform muss beworben werden.

Digitaler Druck auf die Presse

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Seit Jahren liegt alle vierzehn Tage eine Gratiszeitung in unserem Briefkasten. Wir haben sie nicht angefordert, und fast immer landet sie ungeöffnet im Altpapier: Die “Höngger Zeitung”. Ganz selten mal ein eiliger Blick auf den einen oder anderen Artikel: neben allerlei Werbung lokaler Kleinkram aus unserem Stadtquartier. Sie fiel kaum auf neben all dem Neu-Altpapier im Briefkasten (vor allem von den zwei Schweizer Supermarkt-Giganten), das unbesehen aber akkurat gebündelt wird, wie es sich in der Schweiz gehört.

Vor ein paar Tagen allerdings war dies anders. Als “Sonderausgabe” trug der “Höngger” den Titel Zukunft und Relevanz der Lokalzeitungen. Das Inhaltsverzeichnis versprach “Nichts Amtliches”, “Keine Meinung”, “Kein Sportgeschehen”. Und viele ansonsten leere graue Kästchen enthielten Texte wie “Hier sehen Sie nicht, wer Ihre Karies bekämpft”, “Hier sehen Sie nicht, wer Ihnen den Haushalt räumt” usw. Beim Durchblättern wurde klar, dass hier ein Verleger die Öffentlichkeit aufrütteln will, weil ihm die Einnahmen und damit die Geschäftsgrundlage wegbrechen. Die lokale Wirtschaft inseriert nicht mehr. Auch die überregionalen Inserenten, die das lokale Publikum in Höngg erreichen wollen, bleiben weg.

Für den 14. Mai lud die Sonderausgabe zu einer Podiumsdiskussion ein (natürlich in Höngg), zu der sich immerhin knapp 300 Leute einfanden (ältere Jahrgänge gut vertreten), denen etwas lag am Schicksal dieses Blattes.

Erstens bin ich beeindruckt von der Frische, der Originalität und der hohen Qualität dieser “Sonderausgabe” (PDF hier), zweitens war auch die Podiumsdiskussion gut besetzt, spannend und informativ. Ich will hier nicht den Verlauf der Diskussion nachzeichnen (darüber berichtet eine Redaktorin des Höngger hier), sondern einige weiterführende Gedanken festhalten.

It’s the Advertisers, Stupid!

Das konventionelle Geschäftsmodell des “schreibenden” Journalismus besteht aus dem Zusammenspiel zweier Akteure: Die Anzeigenabteilung verkauft Anzeigen und sorgt für die Einnahmen, die Redaktion schreibt interessante Texte und sorgt damit für Leser. Platziert werden beide – Anzeigen und Artikel – im Blatt, das dem Verleger gehört. So werden Werbekunden und Leser zueinandergebracht und der Laden läuft (Die Abo-Gebühren spielen dabei eine unterstützende, aber nicht die wesentliche Rolle, und im Fall von Gratisblättern gar keine).
Wie auch die auf dem Podium anwesenden Experten bestätigten, sind die Haupt-Treiber der Zeitungskrise nicht so sehr die Leser, die nach wie vor an den redaktionellen Beiträgen interessiert sind (vielleicht, verwöhnt durch das Internet, weniger bereit, dafür auch zu zahlen), sondern die Werbekunden, die sich von den Print-Medien (auch den online-Ausgaben dieser Print-Medien) abwenden und auf die Internet-Medien (Social Media, Google u.a.) verlagern.

Das kann man bedauern, aber grundsätzlich handelt es sich um rationale kaufmännische Entscheidungen: Mit einer gezielten, personalisierten Internet-Ansprache erhalte ich bessere Resonanz für weniger Geld, und: Ich kann den Erfolg meiner Anzeige wesentlich besser messen und rückverfolgen als im Print-Bereich. Es nützt also gar nichts, den Zeigefinger zu heben und auf den kultur- und demokratietheoretisch bedenklichen Untergang der Print-Medien hinzuweisen. Davon kommt kein Anzeigenkunde zurück.

Stattdessen müssen sich die Verleger überlegen, wie sie entweder ohne Werbung auskommen, oder ihren Werbekunden besseren Wert bieten können (wenn sie nicht einfach mit den Anzeigenpreisen in den Keller gehen wollen).
Der Trick bei den digitalen Medien besteht ja darin, dass beim selben journalistischen Beitrag je nach Leserin unterschiedliche Anzeigen geschaltet werden können. Dadurch wird die Anzeige relevanter für die Leserin, und effizienter für den Werbetreibenden. Es gab schon Experimente mit digitalem Papier, oder mit personalisiert gedruckten Zeitungen, aber das ist alles noch unerschwinglich teuer und Science Fiction. Nichts desto trotz: Den Werbekunden besseren Wert zu bieten ist die Herausforderung. Wenn die Verleger diese nicht meistern, gehen sie unter. So einfach.

Aus zwei mach drei

Ich habe oben gesagt, das konventionelle Geschäftsmodell des Journalismus bestehe aus dem Zusammenspiel zweier Akteure. Das war schon dort nicht ganz richtig: den Verleger und die Zeitung selbst habe ich unterschlagen. Dieses Spiel wird im Internet-Kontext neu aufgemischt: Jetzt sind es wirklich drei Akteure. Die Journalisten, die Werbeabteilungen, und – die Plattform. Dabei besteht zwischen Journalisten und Plattformen eine sehr problematische Beziehung, denn sie sind nicht von diesen entlohnt, und die Plattformen werden zum dominierenden Player überhaupt. Google. Amazon. Facebook.

Bei diesen Plattformen gibt es eine Oligopolbildung, der mich als alten IT-Hasen an die Verdrängung der Hersteller-spezifischen (“proprietary”) Betriebssysteme erinnert. Wer weiss noch von Blackberry, den Betriebssystemen von DEC, IBM und anderen? Die sind heute alle fort, und es gibt weltweit nur noch drei grosse: Android, Windows, Apple (und, um die anderen zu ärgern, Linux).

Viel spricht dafür, dass bei den Informationsplattformen nur ganz wenige Giganten überleben. Die traditionellen Zeitungen sind auch Plattformen, aber sie ähneln eher den “proprietary” Systemen von damals.

Einer der Riesen-Vorteile der wirklich grossen Plattformen für Anzeigen-Kunden besteht darin, dass sie durch ihre riesigen Datenmengen von Milliarden von Nutzern, ihre weit entwickelten Analyse- und Profilierungsverfahren eine Zielgenauigkeit erreichen können, gegen die eine Mini-Plattform mit ein paar zigtausend Lesern nicht ankommt.

Ein Gedankenexperiment

Nicht, dass dies einfach zu machen wäre, oder dass ich überhaupt grosse Verwirklichungschancen sehe. Aber nur mal so gesponnen:

Nehmen wir an, es gäbe eine Online-Plattform (genannt: “Swiss News”). Sie koste im Abo so viel wie der Tagi (oder deine Lieblingszeitung). Alle Artikel des Tagi seien dort lesbar, also 40 Seiten voller Artikel. Durch mein Abo habe ich das Recht, alle 40 Seiten zu lesen.
Aber jetzt kommt der Clou: Auch alle Artikel der NZZ sind auf dieser Plattform. Mein Abo erlaubt mir, auch von dort Artikel zu lesen. Nur: die Gesamtmenge ist auf 40 Seiten begrenzt. Und ja, Freddy Haffner, auch die Höngger Zeitung wäre hier. Und der BUND, und vielleicht gar die Weltwoche.

Die Einnahmen aus meinem Abo gehen natürlich den Redaktionen zu, deren Seiten ich lese. Und wenn mir die 40 Seiten nicht ausreichen, kann ich schmerzfrei mehr Content kaufen, wie Roaming-Daten beim Telefon.

Für Leser wie mich wäre das ideal. Ich könnte mir meine Tageszeitung so zusammenstellen, wie ich das heute möchte, und werde nicht gequält, wenn ich gelegentlich mal einen Artikel einer anderen Zeitung lesen möchte, dass ich nun auch noch diese Zeitung abonnieren soll.

Da es sich um ein digitales Modell handelt, könnten die Anzeigen, die zwischen und neben den Texten stehen, auf mich zugeschnitten sein. Das wäre die Aufgabe der KI-getriebenen Anzeigenverwaltung, die den Inserenten ein attraktives Angebot machen kann. Die Gesamtmenge der Leser von “Swiss News” wäre deutlich grösser als die jeder einzelnen Zeitung.

Die Redaktionen würden ihre Unabhängigkeit erhalten. Es wäre sogar einfacher, für ganz kleine Redaktionen, ebenfalls Artikel zu platzieren, sofern sie sich an bestimmte Qualitätsstandards halten. Und ihre Papierausgaben dürfen die Verleger auch behalten.

Und die Aufgabe des Staates bestünde hauptächlich darin, dafür zu sorgen, dass auf der Plattform fair play herrscht, niemand unbillig behandelt wird und niemand die Plattform missbraucht.

Nur mal so als Idee.

Ach ja, und die “Höngger Zeitung” werde ich in Zukunft mit etwas anderen Augen sehen.

Unternehmenssteuer und Waffen

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Am 19. Mai ist es wieder so weit: Die Schweiz stimmt ab. Die geplante Umsetzung der EU-Waffenrichtline beherrscht die öffentliche Debatte haushoch, obwohl wahrscheinlich die Abstimmung über Unternehmenssteuer und AHV (STAF) die folgenreichere sein wird. Auch scheint, dass bei der Waffen-Frage die Meinungen weitgehend “gemacht” sind, und es nur noch darum geht, wer besser mobilisieren kann. In der Steuer- und Rentenfrage sind viele noch unentschlossen und ratlos. Im Einzelnen.

Bundesgesetz über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung (STAF)

Zu AHV haben wir am 17. 03. 2017 das letzte Mal abgestimmt. Ich war mit Bauchschmerzen “eher dafür”. (Meinen Senf dazu habe ich hier abgegeben.) Damals, 2017, wurde vorgeschlagen: Rentenalter rauf (für Frauen ein Jahr), Umwandlungssatz runter (entspricht 12% Rentenkürzung), dafür Mehrwertsteuer rauf (von 8% auf 8,3%). Als Trostpflaster die AHV um 70 Franken monatlich rauf. Ausserdem darf man, wenn man will, 15 Jahre länger arbeiten, und wenn man vorher den Job verliert, wird man nicht automatisch von der Rentenkasse vor die Tür gesetzt.

Dieser Vorschlag wurde mit 52.7% abgelehnt.

Zur Unternehmenssteuer gab es am 12. 02. 2017 die letzte Abstimmung. Ich war “eher dagegen”. (Mein Kommentar dazu hier.) Vorgeschlagen wurde 2017 ein Konvolut von 12 einzelnen Massnahmen, die in verschiedener Weise vom Bund und den Kantonen angewandt werden (können), und – da war ich nicht der Einzige – schwer zu durchschauen, noch schwerer quantitativ abzuschätzen waren.

Auch dieser Vorschlag wurde abgelehnt – mit 59.1%.

Weil aber die Zeit läuft, der internationale Druck auf die Schweiz wegen unfairer Steuervorteile für international tätige Unternehmen wächst, und das Leck in der AHV auch nicht kleiner wird, versuchen es Bundesrat und Parlament jetzt nochmal. Diesmal kommen beide Themen im Kombi-Pack.

Dabei wird im Abstimmungsheft etwas neblig davon gesprochen, das Ziel der Reform sei, dass die Schweiz zukünftig “neuen internationalen Anforderungen entspricht und wettbewerbsfähig bleibt”. Vielleicht um nicht auch in dieser Frage die Pawlow’schen Anti-EU-Reflexe bestimmter Kreise zu wecken, wird nicht erwähnt, dass ganz konkret die EU die Schweiz am 05.12.2017 auf eine “graue Liste” von Ländern gesetzt hat, welche sich zwar verpflichtet haben, den OECD Richtlinien zu folgen, dem aber keine Taten folgen liessen.
Der nächste Schritt – von der “grauen” auf die “schwarze” Liste – zeichnet sich ab. Es besteht also dringender Handlungsbedarf.

Gar kein dringender Handlungsbedarf besteht übrigens beim Thema AHV. Es ist nämlich so – das wird auch im Abstimmungsheft beschrieben – dass bereits im Sommer 2019 ein umfassendes AHV-Reformpaket geplant ist, und was auch immer am 19. Mai beschlossen wird, nur den Charakter einer teilweisen Vorwegnahme dieser Reform hat, gleichsam ein “Zückerli”, das schon mal verkostet werden kann. Und wenn die jetzige Vorlage abgelehnt wird, na ja, dann wird die Sache im AHV 21 Paket eben mit behandelt.

Für Annahme oder Ablehnung der STAF Vorlage sollte man deshalb ausschliesslich auf den Unternehmenssteuer-Teil schauen. Dass diese beiden Themen in der Vorlage kombiniert wurden, ist ein verfassungsmässig zweifelhafter Trick, und ich kann Leute verstehen, die die Vorlage schon aus diesem Grund ablehnen.

Im Vergleich mit der Vorlage von 2017 halte ich den Vorschlag zur Unternehmenssteuerreform aber für etwas klarer. Sicher entspricht er nicht vollkommen meinen Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit. Die beiden grössten Einwände, die ich habe, sind der Komplex der “Patent-Boxen” (eine Unsitte, die sich in einigen Ländern eingenistet hat, und bei der die Schweiz glaubt, nicht abseits stehen zu dürfen) und das Anfeuern des kantonalen Steuer-Wettbewerbs nach unten, was aber für die Schweiz systemkonform und nicht völlig zu verhindern ist.

In Übrigen glaube ich, dass die Abschaffung der “harmful tax regimes”, und dafür zu sorgen, dass die Schweiz von “grauen” und “schwarzen” Listen internationaler Steuer-Übeltäter gestrichen wird, diese Gesetzesänderung rechtfertigt und werde – mit den üblichen Vorbehalten – dafür stimmen.

Umsetzung der EU-Waffenrichtlinie im Schweizer Waffenrecht

Die Schweiz hat mit einer Volksabstimmung 2005 beschlossen, sich als “assoziierter Staat” dem Schengenraum anzuschliessen, dessen Zweck einerseits Reisefreiheit, andererseits Sicherheit ist. Jetzt wurde die Waffenrichtlinie zur besseren Bekämpfung von Waffenmissbrauch überarbeitet, und es wird erwartet, dass alle beteiligten Länder diese auch umsetzen, so auch die Schweiz. Ganz gut zusammengefasst wird die Situation vom Beobachter.

Die Meinungen in dieser Frage – auch meine – sind weitgehend “gemacht”. Die Argumente wurden des Langen und Breiten vorgetragen. Deshalb spare ich mir das hier. Nur 1% der Befragten weiss noch nicht, wie abzustimmen. Es geht wohl nur noch darum, welche Seite besser mobilisieren kann.

Mir fällt aber auf, dass dieselben Leute, die jahrelang gegen die Mitgliedschaft in Schengen polemisiert haben, jetzt unter der Parole Schengen ja, Entwaffnung nein auftreten. Und es ist schon ziemlich hanebüchen, wenn sie vorbringen: “Schengen ist nicht in Gefahr | Nein zum Entwaffnungsdiktat der EU!” – und nicht mal den eklatanten Widerspruch in ihrer Parole bemerken: Wenn’s ein Diktat ist, wie kann dann die Mitgliedschaft in Schengen nicht in Gefahr sein? Dann wär’s kein Diktat sondern nur ein netter Vorschlag. Wenns andersherum ein Diktat wäre, müsste man doch den Austritt aus Schengen fordern. Ich denke, die nehmen ihre eigenen Sprüche nicht ernst.

Sie meinen: “Nichts wie raus aus Schengen”, und sagen: Wird schon nichts passieren, wenn wir ein bisschen zündeln. Sie schlagen den Sack (Waffenrecht) und meinen den Esel (die EU). Und die Abstimmung geht überhaupt nicht um das Waffenrecht, sondern darum, mal wieder einen Vorwand zu finden, die Schweiz von Europa abzukoppeln.

Schon deshalb stimme ich nicht nur der geänderten Waffenrichtlinie zu, sondern unterstütze auch Operation Libero in ihrem Einsatz dafür. Und weil es diesmal mehr um Mobilisieren als um Überzeugen geht: Fühlt euch mobilisiert!

 
 

Wohnsiedlung Leutschenbach, Wasserschutzpolizei, Schulanlage Freilager

Dann gibt’s in Zürich noch drei lokale Bauvorhaben abzustimmen. Die erste Abstimmung entsprechend den üblichen links-rechts Frontlinien, die zweite einstimmig, die dritte – jaaa, interessant.

1. Neue kommunale Wohnsiedlung Leutschenbach

Die Stadt will in der Nähe des Hallenstadions in Oerlikeon 369 sozialverträgliche Wohnungen bauen und dafür 210 Millionen ausgeben. FDP und SVP sind gegen das konkrete Bauvorhaben. Die FDP, weil die Stadt, statt selber zu bauen, das Projekt an Private hätte vergeben sollen; die SVP lehnt die Verschuldung ab und verurteilt “ein von den Steuerzahlenden finanziertes Zuhause mit vielen Extras” – zum Beispiel Kindergärten und Kinderbetreuungsräumen. Auch das “Zuwanderungsregime” der Schweiz ganz generell wird als Argument gegen das Bauvorhaben aufgeführt.
Ich weiss nicht, ob man an dem einen oder anderen hätte sparen können, aber mir scheint der vorgelegte Entwurf plausibel und zustimmungsfähig.

2. Wasserschutzpolizei Enge

Bei diesem vom Gemeinderat mit 113:0 befürworteten Vorhaben gibt’s gar niemanden, der was dagegen sagen will, also auch ich nicht, denn Wasserschutz ist die sympathischste Polizei.

3. Neubau Schulanlage Freilager

Jaaa, in Albisrieden soll ein neues Schulgebäude errichtet werden, und zunächst sieht es so aus, als sei auch das eine ganz unstrittige Sache; der Gemeinderat hat sich 100:10 dafür entschieden, und auch im Abstimmungsheft fehlt ein Nein-Votum.

Dann scheint es aber den Grünen gedämmert zu haben, dass das geplante Gebäude zu klein dimensioniert ist, und schon jetzt Erweiterungspavillons eingeplant werden müssen. Mir scheinen die Argumente der Grünen einigermassen plausibel. Nur: Hätte euch das nicht früher einfallen müssen? Wenn ich zum jetzigen Zeitpunkt, und ohne dass eine klare Alternative (ein grösseres Projekt) im Raum steht, “nein” einlege, heisst das doch eher, dass ich gegen den Schulbau bin, als dass ich ihn grösser haben will.

Also unabhängig davon, ob die Grünen hier einen Punkt haben, muss ich sagen: so was gehört im Vorfeld vorgetragen, und nicht auf den letzten Metern der Abstimmung. Also werde ich dem Neubau zustimmen.

Blockchain – Disruptive Innovation oder Schlangenöl?

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Zu “Kryptowährungen” gibt es ganze Bibliotheken von Texten, Artikeln, Blogs. Hier geht es darum, ob und wie die zugrunde liegende Technologie – die “Blockchain” – auch anderweitig verwendet werden und als Innovationstreiber wirken kann. Schlagwort: «Blockchain for Business».

1. Krypto

Um aber über Blockchain zu reden, muss man auch kurz über Bitcoin zu reden, denn

  • Bitcoin ist die Anwendung, mit der die Blockchain-Technologie bekannt wurde;
  • Bitcoin ist die erprobteste, verbreitetste und dabei bemerkenswert robuste Anwendung von Blockchain. Man kann über Bitcoin gutes und schlechtes sagen, aber es ist beeindruckend, dass sie, ohne zentral gesteuert zu werden, soeben ihren 10. Geburtstag feiern konnte (Man erinnere sich: bei ihrem Start kam gerade Windows 7 auf den Markt), mit Kurssprüngen auf und ab, über 30 Millionen Usern und 300,000 Transaktionen am Tag;
  • Die Attraktivität des Blockchain-Konzepts stammt wesentlich vom Paradigma Bitcoin;
  • In dem Sinne, dass Blockchain mehr ist als eine sequentielle, nicht nachträglich veränderbare (append only) Datenbank mit einigen unglaublich redundanten Lese- und Schreiboperationen, sind die einzelnen Komponenten stark von den konkreten Anforderungen an eine Kryptowährung geprägt.

Deshalb ein paar Worte darüber, was mit Kryptowährungen bezweckt wird und wie das bei Bitcoin funktioniert.

Warum gibt es Kryptowährungen? Was ist der Reiz an ihnen? Neben gelegentlich genannten Merkmalen wie schneller Zahlungsabwicklung, geringen Transaktions­gebühren, leichter Verwahrbarkeit, sicherem Transport auf Reisen – alles Dingen, die E-Banking heute ebenfalls bietet – sind es vor allem vier Eigenschaften, die Krypto-Geeks zum Träumen bringen, und die ich den «anarchistischen Kern» von Krypto nenne:

  • Transaktionen ohne Mittelsmann (peer-to-peer)
  • Anonym, und resistent gegen Zensur
  • Dezentral und demokratisch
  • Kein Vertrauen in Regierung, Notenbank, Bank notwendig (trust-less).

Dazu aus dem Original-Paper von Satoshi Nakamoto, dem unbekannten „Erfinder“ von Bitcoin:

„Das Kernproblem konventioneller Währungen ist das Ausmaß an Vertrauen, das nötig ist, damit sie funktionieren. Der Zentralbank muss vertraut werden, dass sie die Währung nicht entwertet, doch die Geschichte des Fiatgeldes ist voll von Verrat an diesem Vertrauen. Banken muss vertraut werden, dass sie unser Geld aufbewahren und es elektronisch transferieren, doch sie verleihen es in Wellen von Kreditblasen mit einem kleinen Bruchteil an Deckung. Wir müssen den Banken unsere Privatsphäre anvertrauen, vertrauen, dass sie Identitätsdieben nicht die Möglichkeit geben, unsere Konten leerzuräumen. Ihre massiven Zusatzkosten machen Micropayments unmöglich.
Eine Generation früher hatten Nutzer von Time-Sharing-Computersystemen ein ähnliches Problem. Vor dem Aufkommen von starker Verschlüsselung mussten die User sich auf Passwort­schutz für ihre Daten verlassen und dem Systemadministrator vertrauen, dass dieser ihre Informationen vertraulich hielt. Diese Privatsphäre konnte jederzeit aufgehoben werden, wenn der Administrator zu dem Schluss kam, dass sie weniger wog als andere Belange, oder auf Anweisung seiner Vorgesetzten. Dann aber wurde starke Verschlüsselung für die Masse der Nutzer verfügbar, und Vertrauen war nicht länger nötig. Daten konnten auf eine Weise gesichert werden, die einen Zugriff durch Dritte – egal aus welchem Grund, egal mit wie guten Entschuldigungen, egal was sonst – unmöglich machten.
Es ist Zeit, dass wir dasselbe mit Geld machen. Mit einer elektronischen Währung, die auf einem kryptografischen Beweis beruht und kein Vertrauen in Mittelsmänner benötigt, ist Geld sicher und kann mühelos transferiert werden.“

Werfen wir einen genaueren Blick auf die den Kryptowährungen zugrunde liegende Blockchain.

hash0Zunächst ist da die namengebende statische Struktur: eine Kette von Blöcken, die dadurch gesichert ist, dass mit Hash Codes sowohl die Inhalte der Blöcke als auch der Header des vorigen Blocks gesichert sind, was eine nachträgliche Manipulation des Inhalts irgend eines dieser Blöcke mit heutigen Mitteln ausschliesst.

Jeder kann diese Blöcke lesen, aber niemand kann sie ändern, denn sie sind dezentral, in tausenden von Kopien gespeichert.

Die Kette ändert sich nur dadurch, dass hinten neue Blöcke angehängt werden. Dies geschieht so, dass eine kryptographische Aufgabe gelöst werden muss, die nur durch Ausprobieren gefunden werden kann (und man muss zigtausend Mal probieren, bis man eine Lösung findet). Sobald einer der aktiven „Miner“ die Lösung hat, darf er einen neuen Block in die Kette eintragen, die inzwischen stattgefundenen Transaktionen (die zeitweise in einen Pool von „unconfirmed transactions“ abgelegt wurden) in seinen neuen Block eintragen, das Netzwerk über den neuen Block informieren, und das Spiel beginnt von vorne.

Dabei ist es interessant, einen Blick auf die Zahlenverhältnisse der Beteiligten zu werfen.

Einen neuen Block gibt es etwa alle zehn Minuten. So lange dauert das Ratespiel. In dieser Zeit laufen 1000 – 2000 Transaktionen auf. Pro Tag nehmen 500‘000 „unique addresses“ an Transaktionen teil, das sind die Anwender, die mit Bitcoin handeln (manche nutzen mehr als eine Adresse, so dass die Zahl der Menschen, die an Transaktionen beteiligt sind, wohl etwas niedriger ist, aber ganz genau weiss das niemand). Es gibt derzeit 10‘220 „Full node“ Installationen, das sind die Installationen, die als Voll-Teilnehmer dafür ausgestattet sind, die Korrektheit der neu eingestellten Blöcke nachzuprüfen, und aus ihrem Kreis speist sich auch die Menge derjenigen, die an dem „Mining“ teilnehmen. Von den 564 Blöcken, die etwa am 20. Jan. 2019 geschürft wurden, wurden 436, also 87,3% von 14 „mining pools“ geschürft. Also nochmal im Überblick:

  • 500‘000 Anwender (oder etwas weniger) setzen Transaktionen ab;
  • 10‘000 „full nodes“ (= 2% der Anwender) haben eine Kopie der vollen Chain und können die Korrektheit nachrechnen;
  • 14 an einem Tag erfolgreiche Miner (= 0,14% der „full nodes“).

Da ein „Rennen“ 10 Minuten dauert, spricht nichts dagegen, dass die Sieger von heute auch die Sieger von morgen sind, es sei denn jemand anderes rüstet seinen Rechnerpark markant auf.

Nun noch einen Blick auf die Dynamik der Chain.

hash1

Nehmen wir an, die Blöcke 001 bis 106 sind geschürft, bestätigt, und in die Chain eingehängt. An ihnen kann nichts mehr geändert werden. Jetzt schürfen mehrere Miner im Wettbewerb um Block 107. Einer von ihnen gewinnt (im Beispiel 107a), meldet seinen Erfolg an alle Teilnehmer der Chain, und alle Miner stürzen sich auf den soeben hinzugefügten neuen Block und schürfen mit diesem als neuem Ausgangspunkt. Was passiert mit Block 107b? Der Miner kam etwas zu spät. Der Block wird nicht bestätigt und „verdorrt“, denn nur der jeweils längste Ast gilt als relevant.

Dabei hindert niemand einen Miner, am Block 107b weiterzuschürfen; das ist nur verlorene Liebesmüh, da die Mehrheit der Miner an den Folgeblöcken von 107a arbeitet und immer nur die längste Kette Gültigkeit hat.

Ausser…

hash2

… einem Miner mit sehr hoher Rechenpower gelingt es, alle anderen Miner zu überholen. Plötzlich befinden sich die Blöke 107a und 108b auf dem Nebengleis, und Transaktionen, die für ein oder mehrere Zyklen als verbürgt galten, gelten plötzlich nicht mehr. Das nennt sich die „51%-Attacke“ und kann fatale Folgen haben (Ich kaufe ein Objekt mit Bitcoin, die Transaktion geht durch und ist verbürgt, das Objekt wird übereignet, und dann wird die Bitcoin-Transaktion ungeschehen gemacht).

Hier zeigt sich auch, wo die wesentlichen Angriffsflächen des Konzepts liegen: Nicht innerhalb der krypto-gesicherten statischen Blöcke, sondern dort, wo sie Berührungspunkte mit der Aussenwelt haben. Hier einige der bekanntesten Schwachstellen:

Exit Scam

Wenn eine neue Kryptowährung auf den Markt gebracht wird, ist es üblich, dass die Leute, die das neue System entwickelt haben, einen ICO („Initial Coin Offering“) lancieren. Damit laden sie öffentlich dazu ein, ihre neuen „Coins“ (oder „Tokens“, oder wie auch immer sie sie nennen) gegen Geld zu kaufen, in der Hoffnung, dass die neue Währung ins Laufen kommt und sich dann auf der Plattform Geld verdienen lässt. Das hat in der Vergangenheit oft wunderbar geklappt, und zig Millionen von Dollars (bzw. Euros bzw Bitcoins) wurden eingezahlt. Der „Exit Scam“ besteht nun darin, dass sich die Herausgeber des ICO, nachdem sie das Geld eingesammelt haben, vom Acker machen und spurlos verschwinden. Diese Betrugsmasche hat so zugenommen (man hört von 80% aller ICOs als betrügerisch), dass die US Bördenaufsicht eingeschritten ist und jedes ICO als Ausgabe von Wertpapieren behandelt, so dass jeder der sie verkauft, oder mit ihnen handelt, und sich nicht an die Vorgaben für Wertpapiere hält, strafrechtlich verfolgt wird. Bitcoin selbst war davon nicht betroffen, denn es hat in den ersten Jahren eine lange Durstphase hinter sich gebracht, wo noch niemand ans schnelle Geldverdienen gedacht hat.

Wallet Hack

Hier wird nicht die Blockchain angegriffen, sondern der PC oder das Smartphone des Anwenders: Jeder, der mit Bitcoins handelt, benötigt eine „Wallet“. Das ist eine 36stellige Kombination von Ziffern und Buchstaben, und der „private Key“ des Anwenders. Dieser Schlüssel ist die einzige Möglichkeit, an die dem Anwender gehörenden Bitcoins heranzukommen. Wer die Nummer verliert, vergisst, oder wem sie gestohlen wird (z.B. durch einen Hacker, der die Datei sperrt, die sie enthält), hat Pech. Es gibt keine Möglichkeit, diese Nummer zu rekonstruieren. Man hört, dass bis zu 30% aller Bitcoin verloren gegangen sind, und heute herrenlos in der Chain liegen, ohne dass irgendwer sie aktivieren kann.

Auch wenn ein Hacker in den Besitz dieser Nummer gelangt und im Namen des Anwender Transaktionen vornimmt, gibt es keine Möglichkeit, die Nummer zu sperren, Transaktionen anzufechten oder rückgängig zu machen. Es gibt keine Schlichtungsstelle und keine Berufungsinstanz.

51% Attack

Das ist die schon oben beschriebene Möglichkeit, bereits bestätigte Blöcke durch solche aus einem Nebenzweig der Chain zu „ersetzen“. Dies ist ein „known bug“ und widerspricht dem Anspruch auf Unveränderbarkeit der Blockchain. Bislang ist so etwas bei Bitcoin noch nicht passiert (bei jüngeren Chains mit weniger Volumen allerdings sehr wohl). Wenn man aber weiss, dass heute 80% der Rechnerkapazität der Bitcoin-Miner in sechs grossen Datenzentren in China konzentriert sind, ist die Vorstellung, dass so etwas passieren könnte, nicht ganz unrealistisch.

Cryptojacking

Bei dieser Masche stechen sich die Miner gegenseitig aus, in dem sie illegal die Rechnerleisung von Unbeteiligten missbrauchen.

coffeeminer

„Coffee Miner“ ist ein publiziertes Experiment, bei dem der Miner sich in einen offenen WLAN-Router (z.B. eines Coffee Shop) einhackt, der dann den Verkehr aller anderen WLAN-Nutzer über den eigenen Rechner leitet, der ihnen Code-Snippets unterjubelt und sie dergestalt dazu bringt, für ihn zu „minen“. Praktische Bedeutung hat dieser Hack nicht, denn heute werden zum Minen ganz andere, wesentlich leistungsstärkere Spezial-Prozessoren verwendet. Allerdings ist denkbar, dass grosse Bot-Netze (von mehreren zehntausend Rechnern) durchaus Effekte erzielen können.

Ein anderer Einzelfall ist das All-Russian Research Institute of Experimental Physics (RFNC-VNIIEF) in Sarov, das eigentlich theoretische Grundlagen für Nuklearwaffen entwickelt und berechnet. Einige Beschäftigte dort haben die Rechnerleistung ihrer Supercomputer dazu benutzt, heimlich am Bitcoin-Minig teilzunehmen. Die Sache flog auf, weil irgendwer sich wunderte, wieso diese streng geheime Anlage vorschriftswidrig ans Internet angeschlossen war.

Die Motivation für die Hacker ist nicht unerheblich. Für einen neuen Block gibt es 12.5 Bitcoin, das sind nach gegenwärtigem Kurs $ 44’800 – alle 10 Minuten. Wenn ich über 24 Stunden alle Blöcke schürfen könnte (was unrealistisch ist), hätte ich 6,5 Millionen verdient.

Anspruch und Wirklichkeit

Wenn wir Anspruch und Wirklichkeit der Kryptowährungen – vor allem mit Hinblick auf den „anarchistischen Kern“ kontrastieren, ergibt sich folgendes Bild:

  • Anspruch: Schnelle Zahlungsabwicklung
    Wirklichkeit: Bitcoin ist auf 1 Block alle 10 Minuten gedrosselt, was ca. 200 Transaktionen pro Minute entspricht und um Dimensionen niedriger ist, als was Visa & Co. heute leisten. Bis eine Transaktion überprüft und bestätigt wird, dauert es ca. 6 – 18 Minuten (bis nämlich ein neuer Block geschürft und meine Transaktion dort eingetragen ist).
  • Anspruch: Leichte Verwahrbarkeit, sicherer Transport auf Reisen
    Wirklichkeit: Die klassischen Instrumente wie Kreditkarten sind fast überall überlegen, weil ich Verluste melden, Karten sperren und wiedergewinnen kann.
  • Anspruch: Peer-to-peer (ohne Mittelsmann)
    Wirklichkeit: Das ist korrekt, allerdings bin ich auf eine Infrastruktur mit Minern, Tool Providern etc. angewiesen.
  • Anspruch: Anonym und Zensur-Resistent
    Wirklichkeit: Das ist eigentlich nur wahr gegenüber meinen Handelspartnern. Regierungen, Geheimdienste, aber auch kriminelle Organisationen haben längst Mittel und Wege gefunden, dich auf der Blockchain zu identifizieren
  • Anspruch: Dezentral und demokratisch
    Wirklichkeit: Es gibt in dieser Welt eine Oligarchie von „Full Nodes“, Supercomputer-getriebenen Mining Pools und haufenweise Abzockern und Betrügern, die Abwesenheit von demokratischen und einforderbaren Regeln.
  • Anspruch: Kein Vertrauen in Regierung, Notenbank, Bank notwendig
    Wirklichkeit: In Wahrheit begibt sich, wer mit diesen „Währungen“ handelt, aus der regulierten Welt von Bankenaufsicht und Regulatoren hinaus und hinein in die Welt der „Snake Oil Vendors“. Wer das möchte: Willkommen!

snake_oil

2. Blockchain for Business

Seit längerem wird daran gearbeitet, das Konzept der Blockchain aus der Welt der Kryptowährungen herauszulösen und für andere Anwendungen nutzbar zu machen. Warum?

Ein hübsches Beispiel ist der Quartierverein Wiedikon. Wiedikon ist ein Stadtkreis von Zürich, und die Mit­gliedschaft in diesem Verein beträgt 20 SFr im Jahr. Seit kurzem kann man seine Jahresgebühr auch in Bit­coin bezahlen, die dann von einem Jungunternehmen in Franken umgewechselt werden.

wiedikon.png

Praktischen Nutzen hat das Ganze sicher nicht, aber es wird klar, was das Motiv ist: es ist cool!

Und weil es neu ist, cool, und etwas mysteriös, knüpfen sich an die Verwendung von Blickchain alle möglichen Erwartungen und Versprechungen für so gut wie jede Branche (siehe Kasten).

Versprechen der Blockchain-Enthusiasten für Unternehmen und Branchen
Banking and Payments
Exchange money faster, more efficiently and more securely
Many banks are already adopting it
Cybersecurity
Less susceptible to data loss, corruption, human error and hacking
Resistant to unauthorized changes and hacks
Internet of Things
No central location, where hackers can gain access
Address these security concerns
Unified Communications
Faster, safer and more reliable automated communication
Immutable record of communication enhances safety and reliability
Government
Reduce bureaucracy and increase security, efficiency and transparency
More easily verify and distribute Welfare and unemployment benefits
More easily count votes and verify for legitimacy
Crowdfunding and Donating to Charities
Ensure that your money gets exactly where you need it to go
Create trust through smart contracts and online reputation systems
Allow donors to see where their donations go
Healthcare
Create a centralized and secure database for healthcare organizations
Share medical records strictly with authorized doctors and patients
Rentals and Ride-sharing
Create decentralized peer-to-peer ride-sharing apps
Allow car owners to auto pay for things like parking, tolls and fuel

Nun hat die Verwendung der Blockchain-Struktur für die meisten dieser Anwendungen zwei Probleme.

Erstens der Preis des anarchistischen Kerns.

Wie oben ausgeführt, besteht der Reiz der Blockchain darin, dass egalitäre Beziehungen zwischen den Teilnehmern versprochen werden.

  • Ohne Mittelsmann (peer-to-peer)
  • Anonym und resistent gegen Zensur
  • Dezentral und demokratisch
  • Kein Vertrauen in Autoritäten (Regierung, Notenbank, Bank) notwendig (trust-less)

Damit die Kryptowährungen diese Versprechen zumindest in Ansätzen erfüllen können, zahlen sie – verglichen mit einer konventionellen Datenbank – softwaretechnisch einen hohen Preis:

Schlechte Skalierbarkeit

Jede Transaktion muss von jedem Teilnehmer auf seiner Kopie nachvollzogen werden. Die Belastung des Gesamtsystems (Summe aller Benutzer) steigt exponentiell.

Software-Updates schwierig

Bei einem zentral gesteuerten System lassen sich relativ leicht Updates durch das Gesamt-Sytem schieben, wegen Sicherheitslücken, neu entdeckter Bugs, Schliessen von Funktionslücken. In einem verteilten System ist der Update der Teilnehmer freiwillig und deshalb muss jedes Update abwärts­kompatibel sein.

Aufwendige Entwicklung

Die Schwierigkeit, Updates schnell durch das Gesamtsystem zu verbreiten, führt dazu, dass die Software-Entwicklung sehr viel mühsamer ist. Fehler dürfen nicht vorkommen. Das zwingt zu aufwendigen und teuren Tests. Konventionelle Systeme können mit “rapid prototyping” und ähnlichen Methoden sehr viel preisgünstiger entwickeln und etwaige Fehler korrigieren, wenn sie auftreten.

Schlechte Wartbarkeit

Eine Wartung kann bei einem dezentralen System praktisch nicht stattfinden. Änderung der Regeln, Korrektur von Einstellungen, all das wird von der dezentralen Struktur verhindert. Es gibt keine Datenbank-Administration im herkömmlichen Sinne, und auch niemanden, der dafür zuständig ist.

Keine Undo-Funktion

Was drin ist, ist drin und kann nicht mehr ungeschehen gemacht werden. Das bedeutet, dass auch den Anwendern gegenüber das System keine Fehler verzeiht.

Keine Schlichtungsinstanz

Wenn es einen Disput gibt (weil jemand meinen Key geklaut hat, weil die Leistung, die ich bezahlt habe, nicht oder mangelhaft erbracht wurde), gibt es keine Instanz, an die ich mich wenden kann. Ich kann keine Rückforderung machen, keine Karte sperren, nichts davon.

Zweitens: Die Zähmung des Anarchistischen Kerns

Nun hängen viele der beschriebenen Nachteile mit Eigenschaften der Blockchain zusammen, die für eine Kryptowährung wichtig, für eine Unternehmensnutzung aber nicht nötig, oder sogar unerwünscht sind. Daraus ergibt sich das Bemühen, solche Attribute aus der Blockchain-Technologie herauszuoperieren.

  • Anonymität: widerspricht meist legalen (z.B. Geldwäsche­gesetze) und Business-Anforderungen. Ich will wissen, mit wem ich es zu tun habe.
  • Jeder kann zugreifen: Ist für viele Anwendungen unerwünscht. Ich will einen geschlossenen Teilnehmerkreis.
  • Jeder Teilnehmer kann alle Transaktionen sehen: Widerspricht bei vielen Anwendungen den Anforderungen an Vertraulichkeit
  • Jeder Teilnehmer kann Transaktionen absetzen: Ist in vielen Anwendungen unrealistisch, wenn bestimmte Rollen auf bestimmte Transaktionsarten im System begrenzt sind.
  • Jede Transaktion wird für immer festgehalten: Das widerspricht sicher schon mal der Europäischen Datenschutz-Grundverord­nung, nach der Anwender das Recht haben, aus Systemen “auszu­ziehen” und ihre Spuren zu löschen.

Und so weiter, und so fort.

Eine verbreitete Kate­gorisierung solcherart “domestizierter” Block­chains findet sich in der folgenden Abbildung. “Public permissionless” ist die original Bitcoin-Variante.

blockchain_options.png

Was sich aus diesen Änderungen auch ergibt, ist die Notwendigkeit, Eingriffe in den laufenden Betrieb der Blockchain zuzulassen (das ist genau das, was im Original­konzept ausgeschlossen werden sollte), und eine Reihe von Rollen zu definieren, die viel näher an der geordneten Welt der Datenbanken als der Welt der dezentralen unregulierten Kryptowährungen liegt.

Vorgesehene Rollen in einer “Blockchain for Business”
Blockchain user
Join the blockchain and conduct transactions with other participants.
Regulator
Oversee the transactions happening within the network.
Blockchain developer
Create the applications and smart contracts that enable blockchain users to conduct transactions
Blockchain network operator
Define, create, manage, and monitor the blockchain network.
Certificate authority
Manage the different types of certificates required to run a permissioned blockchain
Traditional processing platform
Existing computer system that may be used to augment processing. May also need to initiate requests into the blockchain.
Traditional data source
Influence behavior of smart contracts and help to define how communications and data transfer will occur between traditional applications/data and the blockchain.

(“Traditional Platform” und “Traditional Data Source” sind hier mit gutem Grund aufgeführt, denn obzwar der Inhalt der Blockchain selbst nachträglich nicht verändert werden kann, könnte das Ziel eines Links aus der Blockchain sich sehr wohl ändern.)

Damit werden die freizügig gegebenen Sicherheits­versprechen, die mit dem Begriff Blockchain verbunden sind, ausgehebelt und es handelt sich im Wesentlichen um Datenbank­anwendungen, die mit dem Label “Blockchain” ultramodern aussehen, obwohl sie in Wirklichkeit nur ineffizient sind.

Oder, um mit Eugen Roth zu sprechen:

Ein Mensch erblickt ein neiderregend
Vornehmes Haus in schönster Gegend.
Der Wunsch ergreift ihn mit Gewalt:
Genau so eines möcht er halt!
Nur dies und das, was ihn noch störte,
Würd anders, wenn es ihm gehörte;
Nur wär er noch viel mehr entzückt
Stünd es ein wenig vorgerückt…
Kurz, es besitzend schon im Geiste,
Verändert traumhaft er das meiste.
Zum Schluss möcht er (gesagt ganz roh)
Ein anderes Haus – und anderswo.

Leerraum als Staatsaufgabe

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Winfried Kretschmanns Buch Worauf wir uns verlassen wollen schaffte es ein paarmal in die Spiegel_Bestsellerliste und steht heute (3.1.19) auf Platz 21 in der Kategorie German Politics von Amazon Deutschland. Ich habe es in einem Rutsch gelesen – etwas über zwei Stunden spannende Lektüre.

Das Buch beschreibt über eine Palette von Politikfeldern hinweg, wieso man eine moderne, freiheitliche, ökologisch-nachhaltige Politik als konservativ bezeichnen kann, und wie sich ein so verstandener Konservatismus abhebt von rechts-nationalistischem, völkischem, ausgrenzendem und rückwärtsgewandtem Denken. Die meisten der hier vertretenen Positionen sind nicht neu, aber es ist schön, sie zusammengefasst und im Kontext dargestellt zu finden, auch weil im politischen “Theater” wohl keine Partei (insbesondere auch nicht die Grünen) zu einer solchen Positionierung imstande oder bereit wäre.

Gleichzeitig hat die Ausbreitung einer solch breiten Palette auch etwas ermüdendes, weil auf den 141 Textseiten natürlich nicht jedes Thema wirklich vertieft dargestellt werden kann. Es gibt aber ein paar wirklich neue Punkte, die es wert sind, in den politischen Diskurs einzufliessen.

Das ist einmal die Verschiedenheit. Ich zitiere etwas ausführlicher: “Die Pluralität des Menschen ist die Grundlage der Politik. Nach Hannah Arendt handelt Politik ‘von dem Zusammen- und Miteinander-Sein der Verschiedenen‘. Ihr zufolge ist die Verschiedenheit der einzelnen Menschen innerhalb einer Gesellschaft sogar grösser als die relative Verschiedenheit von Völkern, Nationen oder Rassen. Diesen Gedanken muss man in seiner ganzen Radikalität erfassen. Und auch das, was daraus folgt: Unterschiede darf man nicht leugnen oder abschaffen, sondern muss sie organisieren. Das ist die Aufgabe von Politik. … Es sind Verschiedene, die sich gerade aufgrund ihrer radikalen Verschiedenheit die gleiche Würde und gleiche Rechte zubilligen. Das ist der Kern der Demokratie. Die Würde des Menschen achten heisst daher auch immer und unbedingt, ihn als individuelle Person ernst zu nehmen.” (S. 49f)

Das ist nicht nur eine schöne und grundsätzliche Zurückweisung des völkischen Gedankens, der im “Volk” eine Gemeinschaft von Gleichen sieht und Ungleiches ausscheidet, sondern es hat auch direkte Auswirkungen darauf, was demokratisches politisches Handeln ausmacht: einen bewussten Abstand zur Sache (S. 53). Das halte ich für den spannendsten Gedanken im ganzen Buch.

“Demokratische Politik kann nicht besondere Gemeinschaften und Beziehungen privilegieren, um gleichzeitig andere abzuwerten und auszugrenzen. Angesichts der Vielfalt unserer offenen Gesellschaft läge darin kein Programm des Zusammenhalts, sondern eines der noch tieferen Spaltung.
“Vor allem aber müssen Politiker sich darum bemühen, einen politischen Rahmen zu schaffen, in dem Menschen sich beheimatet fühlen können. Sie müssen Kümmerer dafür sein, dass Menschen sich im Rahmen der allgemeinen Regeln frei entfalten und jene Bindungen eingehen können, aus denen dann Zusammenhalt erwächst.” (S. 54)
“Der Staat, der freiheitlich bleiben will, kann und darf den Menschen keinen Sinn aufzwingen. Stattdessen sieht er es als seine Aufgabe, einen ‘Leerraum’ zu schaffen, der jedem Menschen ermöglicht ‘zu denken, zu glauben, zu hoffen und zu handeln, wie es ihm sein inneres Gewissen eingibt’ [Jeanne Hersch].”
(S. 56)

In dieser Aussage steckt eine fundamentale Kritik am Programm der demiurgischen Weltverbesserer und Menschenkorrigierer, das weite Teile der Politik – besonders auch der Grünen – nach wie vor beherrscht. Diese Selbstreflexion von Politikern ist leider Mangelware und verdient, hervorgehoben zu werden.

Ich glaube, das ist der Kern von Kretschmanns politischer Philosophie, und es lässt sich in dem Buch schön sehen, wie ihn diese Philosophie in etlichen Politikfeldern leitet.

Allerdings: Das Buch ist nicht in allen Teilen gleich gut. Am schwächsten fand ich den Abschnitt über die Digitalisierung. Nein, Winfried, das Land Baden-Württemberg ist nicht der Akteur, der die Digitalisierung entschlossen vorantreibt (S. 118). Die Digitalisierung wird vorangetrieben von zehntausenden junger, innovativer, hungriger, abenteuerlustiger Entwickler, Jungunternehmer und Investoren, die die gigantischen Pferdestärken immer preisgünstigerer Rechner-, Speicher- und Netzwerkressourcen entfesseln und auf immer neue Anwendungsfelder richten. Dabei lassen sie sich im Grossen und Ganzen nicht davon leiten, was gesellschaftlich und altruistisch wünschenswert wäre, sondern, “wo der Bär tanzt”, wo sie am meisten Disruption – und natürlich Gewinn machen können. Die Politik ist da eindeutig in der Rolle des Getriebenen.

Einzelne dieser Innovativen mögen sogar im Ländle sitzen; viele aber sicher in Silicon Valley, in Shenzen, in Tallinn oder weiss der Kuckuck wo. Und sie alle werden bei dem, was sie treiben, nicht auf Winfried Kretschmann hören. Deshalb fände ich es spannend, in der selben reflexiven Art, wie er das oben getan hat, über die Rolle und Aufgaben von Politik in diesem Zusammenhang zu sprechen,

  • wenn die Geschwindigkeit der Innovation von Politik gar nicht gesteuert werden kann,
  • wenn alle Aussagen über erwartete Folgen (Verlust von 70% aller Arbeitsplätze? Gar kein Verlust von Arbeitsplätzen? Versklavung aller Menschen unter Roboter? Unterstützung durch hilfreiche Roboter?) völlig unsicher und näher an Kaffeesatzleserei als an Wissenschaft sind
  • wenn Politik angesichts der Unberechenbarkeit dieser Entwicklung trotzdem die Gesellschaft auf etwaige Folgen vorbereiten soll, ohne zu wissen, worin diese im Einzelnen bestehen.

Ein Beispiel: Kretschmann fordert “eine klare Antwort auf die Frage: Wer sitzt auf dem Mensch-Maschine-Tandem vorn?” (S. 119) – Diese Frage mag man stellen. Einer von beiden wird es wohl sein. Beeinflussen wird es eine “Digitalisierungsstrategie” einer deutschen Landesregierung kaum. Das einzige, was eine lokale Regierung entscheiden kann, ist, ob sie die eigenen Leute vom Zugang zu diesen Technologien ausschliesst oder nicht. Oder – und da kriegt Kretschmann souverän die Kurve – wie man die Menschen befähigen kann, in dieser chaotischen Zeit der Veränderung am besten zu bestehen: “Im Kern geht es darum, die jungen Menschen zu befähigen, ihr Leben in der digitalen Welt frei und selbstbestimmt in die Hand zu nehmen.” – Was das im Einzelnen bedeutet, darüber darf zivilisiert gestritten werden.

Emil und die Sozialdetektive

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Vier Entscheidungen stehen am 25.11. an: drei eidgenössische und eine (hautnahe) städtische. Selten war ich gleich von mehreren Vorlagen so hin- und hergerissen wie diesmal. Nur bei einer gibt es von mir ein hundertprozentiges “Nein”.

Die “Selbstbestimmungsinitiative”

gauge5 Warum ich sie ablehne, habe ich bereits im letzten Beitrag ausführlich begründet und muss es hier nicht wiederholen.

Obwohl ich die Initiative samt ihrer weichgespülten Kampagne für eine Falle halte, empfehle ich, auf den Stimmzettel nur ein nüchternes “Nein” einzutragen. Hier, wie man’s nicht machen sollte (auch wenn’s wahr ist):
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Nun zu den Entscheidungen, wie mir schwerer fallen, weil es dafür und dagegen gute Argumente gibt.

Die Hornkuh-Initiative

hajoHorn.png“Das ist den Viechern doch egal, ob sie mit oder ohne Hörner herumlaufen.” – Wirklich?

Erst habe ich gedacht: So ein Blödsinn. Bei näherem Nachdenken stellt sich die Sache so dar:

  1. “Das ist doch reine Symbolpolitik” – Stimmt. Massentierhaltung ordnet immer die Bedürfnisse der Tiere an artgerechter Entfaltung wirtschaftlichen Interessen unter. Anbinden, ruhigstellen, aufmästen, transportieren, schlachten, alles so kostengünstig wie möglich. Die fehlenden Hörner sind zwar nicht schön, auch widersprechen sie der nostalgischen Darstellung von glücklichen Kühen in Werbung und Touristenprospekten (und haben deshalb für die Schweiz hohe symbolische Bedeutung), sind aber vielleicht für die armen Tiere das kleinste Problem.
  2. “Das hat doch in der Verfassung nichts zu suchen” – Stimmt. Es handelt sich um ein Detail im Zusammenhang von artgerechter Tierhaltung und gehört in eine Richtlinie für die Vergabe von Födergeldern, und nicht in eine Verfassung. Sonst müssen wir als nächstes das Kastrieren von Ferkeln, Schneiden von Schwänzen, Meucheln männlicher Küken und tausend andere Praktiken explizit in die Verfassung aufnehmen. Das Schächtverbot hat ja in der Schweiz schon eine lange zweifelhafte Geschichte, die bis ins Jahr 1894 zurückreicht. Froschschenkel und Stopfleber fehlen noch.
  3. “Was soll der arme Mann denn anderes machen?” – Und das ist der Punkt. Da findet ein Landwirt, Armin Capaul, dass es nicht in Ordnung ist, wenn den Rindern ihre gesunden Hörner amputiert werden, und es keinen stört, und er rennt sich die Hacken ab, um eine Änderung zu erreichen, stösst aber überall auf Unverständnis, bis ihm jemand sagt: “Mach doch eine Initiative”. In der Schweiz kann man solche Initiativen eben nur als Verfassungsinitiative starten. Und so kommt es jetzt “vors Volk”. Meine Sympathie gilt hier dem Eigenbrötler, und einem direkt-demokratischen System, das so etwas möglich macht (ob mit oder ohne Unterstützung durch den einen oder anderen Spinner).
  4. gauge2“Das könnte sogar einen gegenteiligen Effekt haben” – Ja, könnte. Die Initiative legt nicht im einzelnen fest, wie sie umgesetzt werden soll, und – zugegeben – wenn sie blöd umgesetzt wird, könnte sie nachteilige Effekte haben, etwa dass sie die Viehzüchter animiert, ihre Rinder wieder mehr anzubinden. Könnte. Aber niemand zwingt Parlament und Regierung, die Initiative blöd umzusetzen. Und in Zeiten, wo die SVP alle in den Wahnsinn treibt mit ihrer Forderung, ihre zahllosen unsinnigen Initiativen blind und bedingungslos umzusetzen, finde ich die Perspektive erfreulich, dass hier Profis herausgefordert sind, eine nicht-blöde Umsetzung zum Wohle der Tiere hinzubekommen.

Sozialdetektive

Auch hier bin ich hin- und hergerissen. Während einer kontroversen Debatte um dieses Thema stiegen vor meinem geistigen Auge Szenen aus “Die Schweizermacher” auf, wo der Drang, in die intimsten Verhältnisse der Zielpersonen einzudringen, fast als Zug des schweizer Nationalcharakters gezeichnet wurde. Hat sich in 40 Jahren nix geändert, gell?
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Walo Lüönd im Film “Die Schweizermacher” (1978) mit Emil Steinberger

Aber im Ernst. Die IV Rente beträgt in der Schweiz maximal 2350 Franken pro Monat (siehe z.B. hier). Dazu kommen gegebenenfalls Kinderzulagen und Ergänzungsleistungen. Wirklich reich wird davon erst mal niemand.

Um an dieses Geld zu kommen, muss man strenge Bedingungen erfüllen, die auch regelmässig alle 2-3 Jahre überprüft werden, und wenn man am unteren Ende der Einkommens-Skala lebt, mag es im Einzelfall verlockend sein, dieses (Zusatz-)Einkommen einzuheimsen, auch wenn’s einem nicht zusteht.

Nun kann man über die Voraussetzungen streiten, die für den Bezug von Sozialhilfe gesetzt sind. Aber klar ist: Wenn solche Regeln bestehen, dann muss der Staat auch ihre Einhaltung einfordern und überprüfen. Andernfalls sind – wie so oft – die ehrlichen die Dummen und am Schluss hält sich niemand mehr an Regeln. Insofern ist auch gegen eine Observierung verdächtiger Einzelfälle nichts einzuwenden.

In weiten Kreisen wird es ja sowieso als Sport oder Kavaliersdelikt empfunden, den Staat um Geld zu prellen. Viele machen aber einen klaren Unterschied, ob sie einerseits dem Staat Steuern vorenthalten (da ist der Staat der Dieb, und es ist toll, ihm ein Schnäppchen zu schlagen), oder andererseits Staatsknete – oder gar Sozialhilfe – abzocken. Dann sind sie Sozialschmarotzer.

beobachter150217Nur sollte man die Kirche im Dorf lassen. Der Beobachter hat am 7. Feb 2015 mal gegenübergestellt, wieviel ein zusätzlicher Steuerfahnder “erwirtschaftet”, und wie viel ein Sozialinspektor (siehe Kasten). Das Ergebnis ist klar: Allein durch straflose Selbstanzeigen sind seit 2010 7 Milliarden Franken an Vermögen zum Vorschein gekommen und wurden Bund, Kanton und Zürcher Gemeinden 600 Millionen an Nachsteuern bezahlt, während die Zürcher Sozialfahnder gerade mal ihre eigenen Kosten wieder hereinholen.

gauge4Das entscheidende Argument ist für mich aber die Vermischung der Rollen. Ein im Auftrag des geschädigten (der Sozialversicherung) arbeitende privater Detektiv ist klar einseitig ökonomisch motiviert und wird – trotz aller Dementis – letztlich nach Fangprämien bewertet.
Sozialversicherungsbetrug ist ein Kriminaldelikt und sollte von Ermittlern aufgeklärt werden, die klar im Interesse der Öffentlichkeit arbeiten. Eine eigene Privatpolizei halte ich für problematisch, wird ja auch in anderen Bereichen nicht gemacht, und ist in diesem Fall dem Ressentiment gegen Sozialhilfebezüger geschuldet. Aber gegen “Sozialschmarotzer” lässt sich halt immer gut zu Felde ziehen.

Hardturm-Areal

Und nochmal eine schwierige Entscheidung: Das Projekt “Ensemble”. Ein Fussballstadion und zwei Wohntürme. Direkt vor unserer Nase.
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Noch ist dies der Blick aus unserer Wohnung.
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Und so könnte es in einigen Jahren aussehen.

Zunächst war ich für dieses Projekt. Mir fehlt zwar das Fussball-Gen, aber sollen die Fans doch ihren Spass haben. Auch finde ich grundsätzlich eine urbane Verdichtung, auch in die Höhe, sinnvoll für die wachsende Stadt Zürich. Im Sinne der Entwicklung unseres Quartiers müssen wir auch für Kompromisse offen sein, und ein Kompromiss ist so ein Projekt allemal. Und ich hoffte auf ein schickes Einkaufszentrum in Laufentfernung über die Limmat.

oxygen Wenn ich aber pro und contra bilanziere, kommt weder für mich direkt, noch für die Stadt genügend Gutes dabei heraus.
Es wird kein Einkaufszentrum geben, allenfalls “Kleinläden und Gastronomiebetriebe” für die Fussballfans.
Am meisten bin ich enttäuscht von der vollkommen uninspirierten Architektur der beiden geplanten Wohntürme. Quader, die nichts ausstrahlen als die Botschaft: “Wir sind jetzt hier und ihr habt mit uns klarzukommen”. Zukunftsorientierte moderne, ökologisch inspirierte Architektur gibt es schon viele (abgebildet der Oxygen Eco Tower in Jakarta). gauge4 Wenn man bedenkt, dass die “Ensemble”-Gebäude noch in Jahrzehnten da sein werden, glaube ich, dass man bei ihrem Anblick schon bald von den Bausünden der zwanziger Jahre sprechen wird. Zürich – Stadt mit höchster Lebensqualität und höchsten Ansprüchen an sich selbst – hat etwas besseres verdient.

Sirenenklänge der SVP

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Lieblich klingen die Töne der SVP diesmal. Direkte Demokratie. Selbstbestimmung. Wer mag da “nein” sagen? Aber schon Odysseus wusste, dass die einschmeichelnden Gesänge der Sirenen Gefahr bedeuten. chagall-sirenen
Die Debatte um die “Selbstbestimmungsinitiative” füllt viele Zeitungsspalten; ungewöhnlich früh haben sich viele bereits eine Meinung gebildet, und doch erscheint die Debatte um diese merkwürdige Initiative ziemlich unübersichtlich.
Dabei gehen mehrere Ebenen durcheinander, die ich versuche, hier zu trennen.

Die juristische Ebene

Die Verworrenheit der Diskussion über die “Selbstbestimmungsinitiative” hat auch damit zu tun, dass es unmöglich scheint, Klarheit über ihre praktischen Folgen zu gewinnen. Bedeutet sie, dass bereits geschlossene Verträge vom Bundesrat automatisch einseitig gebrochen ( = nicht angewandt) werden, wenn eine Mehrheit in einer Abstimmung etwas beschliesst, das sich mit ihnen nicht vereinbaren lässt? Bedeutet sie, dass die Menschenrechte keine Anwendung mehr haben auf die Schweiz? Bedeutet sie das alles nicht, und vielleicht überhaupt nichts?
Leichter als die konkreten Folgen der Initiative dingfest zu machen, scheint es, einen Pudding an die Wand zu nageln. Das hängt auch damit zusammen, dass die Initianten immer mal wieder die Argumentation wechseln, mal den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als “fremde Richter” denunzieren, mal nicht. Schön fand ich, wie nach einer langen Diskussion im Fernsehen der Moderator das Publikum mit einer Entschuldigung verabschiedete, dass die konkreten rechtlichen Folgen auch in dieser Sendung nicht wirklich klar geworden seien.

Nun wäre die Tatsache, dass niemand mir sagen kann, was die Annahme für konkrete Folgen haben würde, Grund genug, sie abzulehnen. Es bedeutet aber auch, dass es den Initianten um die konkreten Folgen gar nicht geht. Denn wenn es so wäre, wie die Initianten sagen, dass es nämlich in der Schweiz keine Selbstbestimmung mehr gibt, und deshalb dringender Handlungsbedarf besteht, weil die Eliten, bestehend aus Richtern und Abgeordneten, entschieden haben, beschlossene Initiativen nicht umzusetzen, sofern sie in Widerspruch mit internationalen Abmachungen stehen, warum sollen dieselben Richter und Abgeordneten nicht genau so mit dieser “Selbstbestimmungsinitiative” verfahren: sie als Verfassungslyrik zu den Akten legen und auf ihre Umsetzung verzichten?
Ich habe diese Frage auf Facebook gepostet und eine erhellende Antwort eines Anhängers der Initiative bekommen: “Sie haben Recht, mit der SBI kann im Prinzip gleich verfahren werden wie mit den früheren Initiativen. Wird die SBI angenommen, erzeugt das aber mehr Druck etwas in Richtung Selbstbestimmung zu tun.” – Es geht also nicht darum, praktisch etwas zu verändern, sondern ein Statement abzugeben.

Die ideologische Ebene

Das führt zur prinzipiellen, ideologischen Seite der Sache. Der Schlachtruf der SVP ist seit langem die Souveränität. “Was heisst eigentlich Souveränität? Souveränität heisst ganz einfach Unabhängigkeit vom Einfluss anderer Staaten. So steht es im Duden.” (Ueli Maurer 2014).
Dieser so absolut gesetzte Souveränitätsbegriff knüpft daran an, wie er ursprünglich im 16. Jahrhundert durch die Absolutismuslehre des französischen Staatsphilosophen Jean Bodin definiert wurde. Nach Bodins Konzeption der absoluten Herrschaft sollte diese Befugnis stets nur der Person des Königs zukommen, prinzipiell unteilbar sein und es dem Herrscher ermöglichen, Recht auch gegen den Willen der Untertanen verbindlich setzen zu können. Nur dass im Verständnis der SVP statt dem absolut herrschenden Monarchen jetzt das direkt abstimmende Volk die unteilbare Souveränität ausübt.

bannonMit dieser Auffassung ist die SVP beileibe nicht allein. Die ganze von Steve Bannon angestrebte “nationalistische Internationale” hat dies als zentrale Botschaft. “Take our country back”, “America first”, ebenso wie das, was die jetzige Regierung in Italien rund um den Haushalt veranstaltet: Alle vertreten die Auffassung, dass nichts den absolutistisch gedachten nationalen Volkssouverän hindern kann, zu machen, wie es ihm beliebt.

Damit werden drei Abhängigkeiten bewusst negiert:

  • Die individuellen Freiheitsrechte, die nach Natur der Dinge immer gegen die Mächtigen (und gegebenenfalls gegen die Mehrheit) durchgesetzt werden müssen, und wenn sie nicht rein esoterisches Gesäusel bleiben sollen, sondern einklagbares individuelles Recht, ein Gericht brauchen, das unabhängig ist von der Willkür des Souveräns. Dem entspricht der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, den man gegen seine eigene Regierung anrufen kann. Dem entspricht auch die 2005 von der UNO beschlossene “Schutzverantwortung”, welche Souveränität definiert als Verantwortung (sovereignty as responsibility), wonach ein Staat Verantwortung für den Schutz seiner Bevölkerung übernehmen muss, um als souverän zu gelten, und davon abgeleitet der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag. Alles nicht perfekt, aber grundsätzlich ein Gegengewicht zur Untertanen-Hörigkeit, die in Bodins Definition von Souveränität enthalten ist.
  • Die Gewaltenteilung, die bei der Herausbildung der Demokratie eine entscheidende Rolle spielt. Diese ist der SVP ein Dorn im Auge, und sie sieht Richter, Regierung und Abgeordnete nicht als unabhängige Gewalten, sondern als Ausführungsorgane des absoluten Souveräns, des Volkes, das sich nicht durch Wahlen, sondern ausschliesslich durch Abstimmungen authentisch äussert. Und wenn diese Organe auf ihrer Unabhängigkeit bestehen, sie als “Eliten” diffamiert; dies vollkommen im Einklang mit den Bestreben etwa in Polen, Ungarn, der Türkei, unabhängige Gerichte abzuschaffen und Rechtsprechung zur dienenden Tätigkeit auf Anweisung der Hohenpriester des Volkswillens zu machen.
  • Die föderale Struktur, die gerade für die Schweiz von grundlegender Bedeutung ist. Wenn ich die Verfassung des Kantons Zürich aufschlage, dann steht da in Absatz 1, Satz 1: Der Kanton Zürich ist ein souveräner Stand der Schweizerischen Eidgenossenschaft.. Wie soll das gehen? Wenn ich hier den absoluten Souveränitätsbegriff der Selbstbestimmungsinitiative zugrunde legte, müsste der Kanton Zürich sofort gegen die Schweiz zu Felde ziehen, denn seine Souveränität wäre aufs gröbste verletzt. Ist sie aber nicht, denn sie bedeutet eben nicht, dass der Kanton Zürich jederzeit machen kann, wonach der Mehrheit gerade der Kopf steht, sondern dass der Kanton freiwillig Teil der Schweiz ist, und diese Entscheidung auch grundsätzlich, und im extremen Fall widerrufen kann. Was wiederum für die Schweiz als Bundesstaat bedeutet, dass sie nicht einfach über die kantonalen Belange hinweggehen kann, insofern ihre Souveränität auch nach innen begrenzt ist.

Jedenfalls steht der absolutierte Souveränitatsgedanke, der internationale Verpflichtungen ins Visier nimmt und nebenbei Freiheitsrechte, Gewaltenteilung und Föderalismus platt macht, wohl im Einklang mit der weltweiten nationalistischen Renaissance, nicht aber mit einer Schweiz, die allen Grund hat, auf ihre demokratischen Traditionen stolz zu sein.

Die strategische Ebene

Mir scheint klar, dass es den Initianten darum geht, die ihrer Meinung nach unzureichend umgesetzten SVP-Initiativen (Masseneinwanderung, Ausschaffung) noch nachträglich zu erzwingen. Da die Mehrheit ihre “Durchsetzungsinitiative” abgelehnt hat (vielleicht weniger aus Menschenliebe gegenüber den Auszuschaffenden, als deshalb, weil der Eingriff in die Balance der bewährten Institutionen nicht gewollt war) versuchen sie es jetzt mit einer weichgespülten Kampagne, in der der Name SVP nicht einmal auftaucht. Sirenengesänge eben.
Aber auch dafür gibt es ein Vorbild. Die SVP hat von Angela Merkel gelernt und fährt eine Strategie der “asymmetrischen Demobilisierung”, die lautet: Sprich so, dass die Leute, die auf deiner Wellenlänge sind, die Wichtigkeit erkennen, aber die Leute, die nicht auf deiner Wellenlänge sind, diese eben nicht erkennen.
Denn es ist weniger wahrscheinlich, dass jenseits der SVP-Anhänger viele für die Initiative stimmen, als dass viele Nicht-SVP-Anhänger der Abstimmung fernbleiben.
Das wäre schade.